Sechs Mailieder für gemischten Chor

Song Cycle by Gustav Wilhelm Ferdinand Gäbler (1846 - 1914)

Word count: 656

1. Im Maien  [sung text not yet checked]

Nun bricht aus [allen]1 Zweigen
Das [maienfrische Grün]2,
Die ersten Lerchen steigen
Die [ersten]3 Veilchen blüh'n;
Und golden liegen Tal und Höh'n --
O Welt, du bist so wunderschön
Im Maien!
 
Und wie die Knospen springen,
Da regt sich's allzumal;
Die [muntren]4 Vögel singen,
Die Quelle rauscht [in's]5 Tal;
Und freudig [schallt]6 das Lustgetön:
O Welt, du bist so wunderschön
Im Maien!
 
Wie sich die Bäume wiegen
Im lieben Sonnenschein!
Wie hoch die Vögel fliegen,
Ich möchte hinterdrein;
Möcht' jubeln über Tal und Höh'n:
O Welt, du bist so wunderschön,
Im Maien!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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1 I. Lachner: "vollen"; further changes may exist not noted above.
2 Hiller: "frische Maiengrün"
3 Billeter: "kleinen"
4 Hiller, Marx: "muntern"
5 Hiller: "zu"
6 Marx: "hallt"

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

2. Maienthau [sung text not yet checked]

Auf den Wald und auf die Wiese,
Mit dem ersten Morgengrau,
Träuft ein Quell vom Paradiese,
Leiser, frischer Maientau;
Was den Mai zum Heiligtume
Jeder süßen Wonne schafft,
Schmelz der Blätter, Glanz der Blume,
Würz und Duft, ist seine Kraft.

Wenn den Tau die Muschel trinket,
Wird in ihr ein Perlenstrauß;
Wenn er in den Eichstamm sinket,
Werden Honigbienen draus;
Wenn der Vogel auf dem Reise
Kaum damit den Schnabel netzt,
Lernet er die helle Weise,
Die den ernsten Wald ergetzt.

Mit dem Tau der Maienglocken
Wascht die Jungfrau ihr Gesicht,
Badet sie die goldnen Locken,
Und sie glänzt von Himmelslicht;
Selbst ein Auge, rot geweinet,
Labt sich mit den Tropfen gern,
Bis ihm freundlich niederscheinet,
Taugetränkt, der Morgenstern.

Sink denn auch auf mich hernieder,
Balsam du für jeden Schmerz!
Netz auch mir die Augenlider!
Tränke mir mein dürstend Herz!
Gib mir Jugend, Sangeswonne,
Himmlischer Gebilde Schau,
Stärke mir den Blick zur Sonne,
Leiser, frischer Maientau!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Rosée de mai", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Frühling [sung text not yet checked]

Der Frühling ist kommen, die Erde erwacht. 
Es blühen der Blumen genung. 
Ich habe schon wieder auf Lieder gedacht,
Ich fühle so frisch mich, so jung.

Die Sonne bescheinet die blumige Au,
Der Wind beweget das Laub. 
Wie sind mir geworden die Locken so grau?
Das ist doch ein garstiger Staub.

Es bauen die Nester und singen sich ein
Die zierlichen Vögel so gut. 
Und ist es kein Staub nicht, was sollt es denn sein?
Mir ist wie den Vögeln zu Mut.

Der Frühling ist kommen, die Erde erwacht,
Es blühen der Blumen genung. 
Ich habe schon wieder auf Lieder gedacht,
Ich fühle so frisch mich, so jung.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Springtime", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Waldmorgen [sung text not yet checked]

Es ist so still die Maiennacht,
so still des Waldes Hallen;
im Grunde kühl der Bach nur wacht,
tät still vorüber wallen.
Es nicken die Blumen leis im Traum,
von [goldenen]1 Tagen rauscht's im Baum,
so leise, heimlich sacht.

Horch, eine Amsel in hellem Ton
weckt durch des Waldes Schweigen:
ihr Schläfer, es glüht im Osten schon,
der Wipfel will sich neigen,
empor, o Lerche, den Himmel grüß,
schlag in der Bläue so laut, so süß;
so fliehet die Nacht davon.

Noch einmal klingt's wie Alphornklang,
da, horch, ist Antwort  kommen,
[Amsel]2, hörst du nicht den Sang?
Der Wald hat dich vernommen.
Es ruft der Pirol so hell im Tal,
der Kuckuck ruft mit [einem Mal]3
das ganze Tal entlang.

[Und eine Glocke]4 fern darein
beginnet süß zu [singen]5,
und in die Herzen süß und fein
sich alle Glocken schwingen.
Das ist ein Singen, das ist ein Klang,
das klinget und singet die Welt entlang;
Gott soll gelobet sein!

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Confirmed with Haideröslein. Ein Liederstrauß, Würzburg: Leo Wörl'sche Buch-, Kunst- und Verlagshandlung, 1870. Appears in Naturklänge, pages 9 - 10.

1 Rheinberger: "goldnen"
2 Rheinberger: "O Amsel"
3 Rheinberger: "einemal"
4 Rheinberger: "Der Glocke Ton von"
5 Koellner: "klingen"

Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull , Johann Winkler

5. Im Maien [sung text not yet checked]

Wie ist mir so wohl und so heiter
Im blühenden, lächelnden Mai! 
Das Herz pocht lebend'ger, wird weiter,
Die Seele so stark und so frei! 

Zersprengt sind die eisigen Bande,
Es fächelt balsamisch die Luft,
Vom blumigen, freundlichen Strande 
Weht labend erquickender Duft! 

Es strömen vom Herzen die Lieder,
Es schwellt mir, wie Wogen, die Brust,
Es wallet hinauf und hernieder,
Es regt sich unendliche Lust! 

Wie ist mir so wohl und so heiter
Im blühenden, lächelnden Mai,
Das Herz pocht lebend'ger, wird weiter,
Die Seele so stark und so frei! 

Authorship

Confirmed with Gedichte von Karl Friedrich Heinrich Strass, Leipzig: F. A. Brockhaus, 1842, page 227.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

6. Frühlingsjubel [sung text not yet checked]

Frühling ist da,
Tralarira!
Tanzen und Springen
Will noch gelingen,
Winter, ade,  
Schnee nun und Weh! 

Süß in dem Baum
Rauscht es wie Traum,
Vöglein und Winde
Kommen geschwinde,
Winter, ade,
Thränen und Weh!

Nahe und fern
Leuchtet der Stern;
Mädchen und Buben
Schnell aus den Stuben:
Tralarira,
Frühling ist da!

Authorship

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Confirmed with Haideröslein. Ein Liederstrauß, Würzburg: Leo Wörl'sche Buch-, Kunst- und Verlagshandlung, 1870. Appears in Naturklänge, pages 5 - 6.


Researcher for this text: Melanie Trumbull