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8 Eichendorff-Lieder

Word count: 641

Song Cycle by Albin Fries (b. 1955)

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1. Nachtzauber


Hörst du nicht die Quellen gehen
zwischen Stein und Blumen weit
nach den stillen Waldesseen,
wo die Marmorbilder stehen
in der schönen Einsamkeit?
Von den Bergen sacht hernieder,
weckend die uralten Lieder,
steigt die wunderbare Nacht,
und die Gründe glänzen wieder,
wie du's oft im Traum gedacht.

Kennst die Blume du, entsprossen
in dem mondbeglänzten Grund
Aus der Knospe, halb erschlossen,
junge Glieder blühendsprossen,
weiße Arme, roter Mund,
und die Nachtigallen schlagen
und rings hebt es an zu klagen,
ach, vor Liebe todeswund,
von versunk'nen schönen Tagen -
komm, o komm zum stillen Grund!
Komm! Komm!


2. Neue Liebe


Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
So voll Unruh und zerstreut,
Als käme über Berge selig
Schon die schöne Frühlingszeit?

Weil ein liebes Mädchen wieder
Herzlich an mein Herz sich drückt,
Schaust du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.

Und ich hab die Fenster offen,
Neu zieh in die Welt hinein
Altes Bangen, altes Hoffen!
Frühling, Frühling soll es sein!

Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
Durch die Brust ein Singen irrt,
Doch zu licht [ist's mir]1 zum Schreiben,
Und ich bin so froh verwirrt. 

Also schlend'r ich durch die Gassen,
Menschen gehen her und hin,
Weiß nicht, was ich tu und lasse,
Nur, daß ich so glücklich bin.


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1 another version of Eichendorff (and Pfitzner): "ist mir's"

3. Anklänge


Hoch über stillen Höhen
Stand in dem Wald ein Haus;
So einsam war's zu sehen,
Dort übern Wald hinaus.

Ein Mädchen saß darinnen
Bei stiller Abendzeit,
Tät seidne Fäden spinnen
Zu ihrem Hochzeitskleid.


4. Schneeglöckchen


's war doch wie ein leises Singen
in dem Garten heute Nacht,
wie wenn laue Lüfte gingen:
"Süße Glöcklein, nun erwacht;
denn die warme Zeit wir bringen,
eh's noch jemand hat gedacht."

's war kein Singen, s'war ein Küßen,
rührt die stillen Glöcklein sacht,
daß sie alle tönen müssen
von der künft'gen bunten Pracht!

Ach, sie konnten's nicht erwarten,
aber weiß vom letzten Schnee
war noch immer Feld und Garten,
und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten
sangesmüde sich hinab,
und der Frühling, den sie weckten,
rauschet über ihrem Grab.


5. Der wandernde Student


Bei dem angenehmsten Wetter
singen alle Vogelein,
klatscht der Regen auf die Blätter,
sing ich so für mich allein.

Denn mein Aug' kann nichts entdecken,
wenn der Blitz auch grausam glüht,
was im Wandern könnt' erschrecken
ein zufriedenes Gemüt.

Frei vom Mammon will ich schreiten
auf dem Feld der Wissenschaft,
sinne ernst und nehm' zu Zeiten 
einen Mund voll Rebensaft.

Bin ich müde vom Studieren,
wann der Mond tritt sanft herfür,
pfleg' ich dann zu musizieren 
vor der Allerschönsten Tür.


6. Auf der Feldwacht


Mein Gewehr im Arme steh ich
Hier verloren auf der Wacht,
Still nach jener Gegend seh ich,
Hab so oft dahin gedacht!

Fernher Abendglocken klingen
Durch die schöne Einsamkeit;
So, wenn wir zusammen gingen,
Hört ich's oft in alter Zeit.

Wolken da wie Türme prangen,
Als säh ich im Duft mein Wien,
Und die Donau hell ergangen
Zwischen Burgen durch das Grün.

Doch wie fern sind Strom und Türme!
Wer da wohnt, denkt mein noch kaum,
Herbstlich rauschen schon die Stürme,
Und ich stehe wie im Traum.


7. Gute Nacht


Die Höh'n und Wälder [schon]1 steigen
Immer tiefer in's Abendgold;
Ein Vöglein [frägt]2 in den Zweigen
Ob es Liebchen grüssen sollt'?

O Vöglein, du hast dich betrogen,
Sie wohnet nicht mehr im Tal,
Schwing' auf dich zum Himmelsbogen,
Grüss' sie droben zum letztenmal.


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1 omitted by Zemlinsky.
2 Franz: "fragt" (typo?)

8. In einem kühlen Grunde


[In einem kühlen Grunde]1
da geht ein Mühlenrad,
mein Liebchen ist verschwunden,
[die]2 dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treue versprochen,
gab mir einen Ring dabei,
sie hat die Treue gebrochen,
das Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht' als Spielmann reisen
[weit]3 in die Welt hinaus,
und singen meine Weisen
und [gehn]4 von Haus zu Haus.

Ich möcht' als Reiter fliegen
wohl in die blut'ge Schlacht,
[um stille]5 Feuer liegen
[Im Feld bei dunkler]6 Nacht.

[Hör' ich]7 das Mühlrad gehen,
[Ich]8 weiß nicht, was ich will,
Ich möcht' am liebsten sterben,
Dann wär's auf einmal still.


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Note: Kreutzer's version is sometimes credited to Uhland. The original poem is also sometimes titled "Untreue" and substitutes "Liebste" for "Liebchen" in line 1-3.
1 Kreutzer: "In jenem Tale dort unten"
2 or "das"
3 Kreutzer: "wohl"
4 Kreutzer: "zieh'n"
5 Kreutzer: "an stillem"
6 Kreutzer: "einsam bei kühler"
7 Kreutzer: "Ich hör"
8 Kreutzer: "und"

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     - Emily Ezust

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