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Drei Lieder von E. Geibel

Word count: 412

Song Cycle by Heinrich August Marschner (1795 - 1861)

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1. Siehst du das Meer


Siehst du das Meer? Es glänzt auf seiner Flut
Der Sonne Pracht;
Doch in der Tiefe, wo die Perle ruht,
Ist finstre Nacht.

Das Meer bin ich. In stolzen Wogen rollt
Mein wilder Sinn,
Und meine Lieder ziehn wie Sonnengold
Darüber hin.

Sie flimmern oft von zauberhafter Lust,
Von Lieb' und Scherz;
Doch schweigend blutet in verborgner Brust
Mein dunkles Herz.


2. In der Ferne


Sag an, du wildes, oft [getäuschtes]1 Herz,
Was sollen diese lauten Schläge nun?
Willst du nach so viel namenlosem Schmerz
Nicht endlich ruhn?

Die Jugend ist dahin, der Duft zerstob,
Die Rosenblüthe fiel vom Lebensbaum,
[Ach,]2 was dich einst zu allen Himmeln hob,
Es war ein Traum.

Die Blüthe fiel, mir blieb der scharfe Dorn,
Noch immer aus der Wunde quillt das Blut,
Es [sind]3 das Weh, die Sehnsucht und der Zorn
Mein einzig Gut.

Und dennoch, brächte man mir Lethe's Fluth,
Und spräche: Trink, du sollst genesen sein,
Sollst fühlen, wie so sanft Vergessen thut,
Ich [sagte]4: Nein!

War alles nur ein wesenloser Trug,
Er war so schön, er war so selig doch;
Ich fühl' es tief bei jedem Athemzug:
Ich liebe noch.

D'rum laßt mich geh'n, und blute still mein Herz,
Ich suche einen Ort bei Nacht und Tag,
Wo mit dem letzten Lied ich Lieb und Schmerz
Verhauchen mag.


View original text (without footnotes)
1 Blumenthal: "gekränktes"
2 Blumenthal: "Und"
3 Blumenthal: "ist"
4 Blumenthal: "sage"

3. Lied eines fahrenden Schülers


Kein Tröpflein mehr im Becher!
Kein Geld im Säckel mehr!
Da wird mir armem Zecher
Das Herze gar so schwer.
Das Wandern macht mir Pein,
Weiß nicht, wo aus, noch ein;
Ins Kloster möcht' ich gehen,
Da liegt ein kühler Wein.

Ich zieh' auf dürrem Wege,
Mein Rock ist arg bestaubt,
Weiß nicht, wohin ich lege
In dieser Nacht mein Haupt.
Mein Herberg' ist die Welt,
Mein Dach das Himmelszelt,
Das Bett, darauf ich schlafe,
Das ist das breite Feld.

Ich geh' auf flinken Sohlen,
Doch schneller reit't das Glück;
Ich mag es nicht einholen,
Es läßt mich arg zurück.
Komm' ich an einen Ort,
So war es eben dort,
Da kommt der Wind geflogen,
Der pfeift mich aus sofort.

Ich wollt', ich läg' zur Stunde
Am Heidelberger Faß,
Den offnen Mund am Spunde,
Und träumt' ich weiß nicht was.
Und wollt' ein Dirnlein fein
Mir gar die Schenkin sein:
Mir wär's, als schwämmen Rosen
Wohl auf dem klaren Wein.

Ach wer den Weg doch wüßte
In das Schlaraffenland!
Mir dünket wohl, ich müßte
Dort finden Ehr' und Stand.
Mein Mut ist gar so schlecht,
Daß ich ihn tauschen möcht';
Und so's Dukaten schneite,
Das wär' mir eben recht.


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     - Emily Ezust

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