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Sechs Lieder im Freien zu singen

Word count: 433

by (Jakob Ludwig) Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)

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1. Im Grünen


Im Grün erwacht der frische Mut,
wenn blau der Himmel blickt.
Im Grünen da geht alles gut,
was je das Herz bedrückt.

Was suchst' der Mauern engen Raum,
du thöricht Menschenkind?
Komm, fühl hier unter'm Grünen Baum,
wie süss die Lüfte sind.

Wie holde Kindlein spielt um dich
ihr Odem wunderlieb,
und nimmt all' deinen Gram mit sich,
du weisst nicht wo er blieb.


2. Frühzeitiger Frühling


Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne
Hügel und Wald?
 
Reichlicher fließen
Bächlein zumal,
Sind es die Wiesen?
Ist es das Thal?
 
Blauliche Frische!
Himmel und Höh!
Goldene Fische
Wimmeln im See.
 
Buntes Gefieder
Rauschet im Hain;
Himmlische Lieder
Schallen darein.
 
Unter des Grünen
Blühender Kraft,
Naschen die Bienen
Summend am Saft.
 
Leise Bewegung
Bebt in der Luft,
Reizende Regung
Schläfernder Duft.
 
Mächtiger rühret
Bald sich ein Hauch,
Doch er verlieret
Gleich sich im Strauch.
 
Aber zum Busen
Kehrt er zurück,
Helfet, ihr Musen,
Tragen das Glück!
 
Saget seit gestern
Wie mir geschah?
Liebliche Schwestern,
Liebchen ist da!


Confirmed with: Goethe’s sämmtliche Werke, Erster Band, Paris: Tétot Frères, 1836, page 14.


3. Abschied vom Walde


O Täler weit, O Höhen,
o schöner grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen 
andächt'ger Aufenthalt!
Da draussen, stets betrogen,
[saust]1 die geschäft'ge Welt;
schlag' noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Im Walde steht geschrieben 
ein stilles ernstes Wort
vom rechten Tun und Lieben,
und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen 
die Worte, schlicht und wahr,
und durch mein ganzes Wesen
ward's unaussprechlich klar.

Bald werd' ich dich verlassen,
fremd in die Fremde geh'n,
auf buntbewegten Gassen
des lebens Schauspiel seh'n.
Und mitten in dem Leben
wird deines Ernst's Gewalt
mich Einsamen erheben,
so wird mein Herz nicht alt.


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1 Blodek: "haust"

4. Die Nachtigall


Die Nachtigall, sie war entfernt,
Der Frühling lockt sie wieder;
Was neues hat sie nicht gelernt,
Singt alte, liebe Lieder.


5. Ruhetal


[Wann]1 im letzten Abendstrahl
Goldne Wolkenberge steigen
Und wie Alpen sich erzeigen,
Frag' ich oft mit Tränen:
Liegt wohl zwischen jenen
Mein ersehntes Ruhetal?


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Confirmed with: Uhlands Werke, Erster Teil, Gedichte, herausgegeben von Adalbert Silbermann, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart: Deutsches Verlagshaus Bong & Co., [no year], page 45.

1 Lang, Mendelssohn: "Wenn"

6. Jagdlied


Durch schwankende Wipfel
Schießt [güldner]1 Strahl,
Tief unter den Gipfeln
Das [neblige]2 Tal.
[Fern hallt es am Schlosse,]3
Das Waldhorn ruft,
Es wiehern die Rosse
In die Luft, in die Luft!

Bald Länder und Seen
[Durch]4 Wolkenzug
Tief schimmernd zu sehen
In schwindelndem Flug,
Bald Dunkel wieder
Hüllt Reiter und Roß,
O Lieb', o Liebe
[So]5 laß mich los! -

Immer weiter und weiter
Die Klänge ziehn,
Durch Wälder und Heiden
Wohin, ach wohin?
Erquickliche Frische,
Süß-schaurige Lust!
Hoch flattern die Büsche,
Frei schlägt die Brust.


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1 Franz, Weismann: "güldener"; Barth, Mendelssohn: "goldener"; further changes may exist for Barth not noted above.
2 Franz: "neblichte"; Mendelssohn: "nebliche"
3 Mendelssohn, Weismann: "Fern hallt es vom Schlosse"
4 Mendelssohn: "Bald"
5 Franz: "O"

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