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12 Lieder und Romanzen von L. Uhland, für 1 und 2 Singstimmen mit Pianoforte

Word count: 986

by Conradin Kreutzer (1780 - 1849)

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1. Des Dichters Abendgang


Ergehst du dich im Abendlicht, --
Das ist die Zeit der Dichterwonne --
So wende stets dein Angesicht
Zum Glanze der gesunknen Sonne!
In hoher Feier schwebt dein Geist,
Du schauest in des Tempels Hallen,
Wo alles Heil'ge sich erschleußt
Und himmlische Gebilde wallen.

Wann aber um das Heiligthum
Die dunkeln Wolken niederrollen:
Dann ist's vollbracht, du kehrest um,
Beseligt von dem Wundervollen.
In stiller Rührung wirst du gehn,
Du trägst in dir des Liedes Segen;
Das Lichte, das du dort gesehn,
Umglänzt dich mild auf finstern Wegen.


Confirmed with Uhland, Ludwig: Gedichte, Stuttgart u. a., 1815, page 9.

Modernized spelling would change "erschleußt" to "erschließt" and "Heiligthum" to "Heiligtum"

2. Des Knaben Berglied


Ich bin vom Berg der Hirtenknab1,
Seh auf die Schlösser all [herab]2. 1
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am längsten weilet sie bei mir,
[Ich bin der Knab' vom Berge!]3

Hier ist des Stromes Mutterhaus1,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus1,
Er braust [am]4 Fels in wildem Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf.
Ich bin der Knab' vom Berge!1

Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stürme rings herum,
Und heulen sie von Nord und Süd,
So [überschallt]5 sie doch mein Lied.
Ich bin der Knab' vom Berge!

Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich hoch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Laßt meines Vaters Haus in Ruh!
Ich bin der Knab' vom Berge!

Und [wann]6 die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge!1


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1 Hecht inserts one or more "la" syllables at these points
2 Loewe: "hinab"
3 Schumann: "Ich bin der Knab' vom Berge, / Vom Berg der Hirtenknab!" (apply to the end of each stanza)
4 Hecht: "vom"
5 Loewe: "übertönt"
6 Hecht: "wenn"

3. Die Nonne (Romanze)


Im stillen Klostergarten 
Eine bleiche Jungfrau ging.
Der Mond beschien sie trübe,
An ihrer Wimper hing 
Die Träne zarter Liebe.

"O wohl mir, daß gestorben 
Der treue Buhle mein!
Ich darf ihn wieder lieben:
Er wird ein Engel sein, 
Und Engel darf ich lieben."

Sie trat mit zagem Schritte 
Wohl zum [Mariabild]1;
Es stand im lichten Scheine,
Es sah so muttermild
Herunter auf die Reine.

Sie sank zu seinen Füßen, 
Sah auf mit Himmelsruh',
Bis ihre Augenlider 
Im Tode fielen zu:
Ihr Schleier wallte nieder.


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1 Some editions use "Marienbild"; Brahms's score uses this spelling.

4. Lied des Gärtners


Laßt euch pflücken, laßt euch pflücken,
Lichte Blümlein, meine Lust!
Denn ihr sollet lieblich schmücken
Meiner schönsten Fürstin Brust.

Glühet purpurn nach der Süßen,
Äugelt blau empor zu ihr!
Ach! ihr müßt es endlich büßen,
Sinken ohne Glanz und Zier.

Einst auch glühten meiner Wangen,
Meine Augen hin nach ihr:
Nun ist alles Rot vergangen,
Aller blaue Schimmer mir.


Confirmed with Gedichte von Ludwig Uhland, erster Band, Verlag der Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart, 1898, page 373.


5. Duett: Hans und Grete


Sie:
 Guckst du mir denn immer nach,
 Wo du nur mich findest?
 Nimm die Äuglein [doch]1 in acht!
 Daß du nicht erblindest.

Er:
 Gucktest du nicht stets herum,
 Würdest mich nicht sehen;
 Nimm dein Hälschen doch in acht!
 Wirst es noch verdrehen.


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1 Reger: "nur"

6. Das Thal


Wie willst du dich mir offenbaren,
Wie ungewohnt, geliebtes Tal?
Nur in den frühsten Jugendjahren
Erschienst du so mir manches Mal.

Die Sonne schon hinabgegangen,
Doch aus den Bächen klarer Schein;
Kein Lüftchen spielt mir um die Wangen,
Doch sanftes Rauschen in dem Hain.

Es duftet wieder alte Liebe,
Es grünet wieder alte Lust;
Ja, selbst die alten Liedertriebe
Beleben diese kalte Brust.

Natur, wohl braucht es solcher Stunden,
So innig, so liebevoll,
Wenn dieses arme Herz gesunden,
Das welkende genesen soll.

Bedrängt mich einst die Welt noch bänger,
So such' ich wieder dich mein Tal,
Empfange dann den kranken Sänger
Mit solcher Milde noch einmal.

Und sink' ich dann ermattet nieder,
So öffne leise deinen Grund
Und nimm mich auf und schließ' ihn wieder 
Und grüne fröhlich und gesund.


7. Brautgesang


Das Haus benedei' ich und preis' es laut,
Das empfangen hat eine liebliche Braut;
Zum Garten muß es erblühen.

Aus dem Brautgemach tritt eine herrliche Sonn';
Wie Nachtigalln locket die Flöte,
Die Tische wuchern wie Beete,
Und es springet des Weines goldener Bronn.

Die Frauen erglühen
Zu Lilien und Rosen;
Wie die Lüfte, die losen,
Die durch Blumen ziehen,
Rauschet das Küssen und Kosen.


Confirmed with Gedichte von Ludwig Uhland, Wohlfeile Ausgabe, Dritte Auflage, Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'scher Verlag, 1854, pages 21-22.


8. Mönch und Schäfer


Mönch:
Was stehst du so in stillem Schmerz?
O Schäfer, sag es mir!
Wohl schlägt auch hier ein wundes Herz,
Das ziehet mich zu dir.

Schäfer:
Du fragest noch! o sieh umher
In meinem trauten Tal!
Die weite Au ist blumenleer,
Und jeder Baum ist fahl.

Mönch:
Du klage nicht! Was ist dein Weh?
Was, als ein schwerer Traum?
Bald glänzt die Blume aus dem Klee,
Die Blüte von dem Baum.

Dann steht das Kreuz, davor ich knie,
Im grünen Baumgefild;
Doch ach! es grünt und blühet nie,
Trägt stets ein sterbend Bild.


9. Im Herbste


Seid gegrüßt mit Frühlingswonne,
Blauer Himmel, goldne Sonne!
Drüben auch aus Gartenhallen
Hör' ich frohe Saiten schallen.

Ahnest du, o Seele wieder
Sanfte, süße Frühlingslieder?
Sieh umher die falben Bäume!
Ach, es waren holde Träume!


10. Lied des Gefangenen


[Wie]1 lieblicher Klang!
O Lerche! dein Sang,
Er hebt sich, er schwingt sich in Wonne.
Du nimmst mich von hier,
Ich singe mit dir,
Wir steigen durch Wolken zur Sonne.

O Lerche! du neigst
Dich nieder, du schweigst,
Du sinkst in die blühenden Auen.
Ich schweige zumal
Und sinke zuthal,
Ach! tief in Moder und Grauen.


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Modernized spelling would change "zuthal" to "zutal" or "zu Tal"
1 Dannehl: "O"; further changes may exist not noted above.

11. Das Schifflein


Ein Schifflein ziehet leise
Den Strom hin seine Gleise.
Es schweigen, die drin wandern,
Denn keiner kennt den andern.

Was zieht hier aus dem Felle
Der braune [Waldgeselle]1?
Ein Horn, das sanft erschallet:
Das Ufer [widerhallet]2.

Von seinem Wanderstabe
Schraubt jener Stift und Habe,
Und mischt mit Flötentönen
Sich in des Hornes Dröhnen.

Das Mädchen saß so blöde,
Als fehlt' ihr gar die Rede,
Jetzt stimmt sie mit Gesange
Zu Horn- und Flötenklange.

Die [Rudrer]3 auch sich regen
Mit taktgemäßen Schlägen.
Das Schiff hinunter flieget,
Von Melodie gewieget.

Hart stößt es auf am Strande,
Man trennt sich in die Lande:
»Wann treffen wir uns, Brüder?
Auf einem Schifflein wieder?«


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1 in some versions of Uhland: "Weidgeselle" or "Waidgeselle" (Mendelssohn and Schumann use "Waidgeselle")
2 in some versions of Uhland: "wiederhallet"
3 in some versions of Uhland: "Schiffer"; Mendelssohn: "Ruder"

12. Der Sänger


Noch singt den Widerhallen
Der Knabe sein Gefühl;
Die Elfe hat Gefallen
Am jugendlichen Spiel.

Es glänzen seine Lieder
Wie Blumen rings um ihn;
Sie gehn mit ihm wie Brüder
Durch stille Haine hin.

Er kommt zum Völkerfeste,
Er singt im Königssaal,
Ihm staunen alle Gäste,
Sein Lied verklärt das Mahl;

Der Frauen Schönste krönen
Mit lichten Blumen ihn;
Er senkt das Aug in Tränen,
Und seine Wangen glühn.


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     - Emily Ezust

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