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Vier Lieder und Gesänge für 1 Singstimme mit Pianoforte (Heft II der nachgelassenen Werke)

Word count: 326

by Albert Theodor Töpken

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1. Nach Norden


Vöglein, wohin so schnell?
"Nach Norden, nach Norden!
Dort scheint die Sonne nun so hell,
Dort ist's nun Frühling [geworden]1."
O Vöglein mit den Flügeln bunt,
Und wenn du kommst zum Lindengrund,
Zum Hause meiner Liebe,
Dann sag' ihr daß ich Tag und Nacht
von ihr geträumt an sie gedacht,
und daß ich treu geblieben.
Und die Blumen im Tal,
Grüss' tausend Mal!


View original text (without footnotes)
1 Heidingsfeld: "worden"

2. Warum?


Warum sind denn die Rosen so blaß?
O sprich mein Lieb warum?
Warum sind denn im grünen Gras
Die blauen Veilchen so stumm?

Warum singt denn mit so kläglichem Laut,
Die Lerche in der Luft?
Warum steigt denn aus dem Balsamkraut
Verwelkter Blütenduft?

Warum scheint denn die Sonn' auf die Au,
So kalt und verdrießlich herab?
Warum ist denn die Erde so grau,
Und öde wie ein Grab?

Warum bin ich selbst so krank und so trüb?
Mein liebes Liebchen sprich
O sprich mein herzallerliebstes Lieb,
Warum verließest du mich?


Confirmed with Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827, page 129.


3. Waldgesang


Im Wald, im hellen Sonnenschein,
Wenn alle Knospen springen,
[Dann]1 mag ich gerne mittendrein
Eins singen.

Wie mir zu Mut in Leid und Lust,
Im Wachen und im Träumen,
Das stimm ich an aus voller Brust
Den Bäumen.

Und sie verstehen mich gar fein,
Die Blätter alle lauschen
Und fall'n am rechten Orte ein,
Mit Rauschen.

Und weiter [wandelt]2 Schall und Hall,
In Wipfeln, Fels und Büschen.
Hell schmettert auch Frau Nachtigall
Dazwischen.

Da fühlt die Brust am eignen Klang,
Sie darf sich was erkühnen,
O frische [Luft!]3 Gesang! Gesang
Im Grünen.


View original text (without footnotes)
1 Kjerulf: "Da"
2 Raff: "wandert"
3 Kjerulf, Raff (and probably everybody else): "Lust" (may be "Lust" in the original, but many reliable sources for the original poem give "Luft")

4. Der nächtliche Ritter


In der mondlos stillen Nacht
Stand er unter dem Altane,
Sang mit himmlisch süßer Stimme
Minnelieder zur Gitarre.

Dann auch mit den Nebenbuhlern
Hat er tapfer sich geschlagen,
Daß die hellen Funken stoben,
Daß die Mauern widerhallten.

Und so übt' er jeden Dienst,
Den man weihet edeln Damen,
Daß mein Herz in Lieb' erglühte
Für den teuern Unbekannten.

Als ich drauf am frühen Morgen
Bebend blickte vom Altane:
Blieb mir nichts von ihm zu schauen,
Als sein Blut, für mich gelassen.


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