The LiederNet Archive
WARNING. Not all the material on this website is in the public domain.
It is illegal to copy and distribute our copyright-protected material without permission.
For more information, contact us at the following address:
licenses (AT) lieder (DOT) net

Vier Gedichte von Hermann Hesse

Word count: 230

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Not all available information for this cycle is visible. Return to normal display.

1. Elisabeth


Wie eine weiße Wolke 
Am hohen Himmel steht,
So weiß und schön und ferne
Bist du, Elisabeth.

Die Wolke geht und wandert,
Kaum hast du ihrer acht,
Und doch durch deine Träume
Geht sie in dunkler Nacht.

Geht und erglänzt so silbern,
Daß fortan ohne Rast
Du nach der weißen Wolke
Ein süßes Heimweh hast.


Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 2 Die Romane, Peter Camenzind, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2001, page 170.

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 69.


2. Aus zwei Tälern


Eine Glocke läutet
Im Grund fernab,
Läutet und bedeutet
Ein frisches Grab.
 
Ein Lautenschlagen
Vom andern Tal
Bringt hergetragen
Der Wind zumal.
 
Mir aber will bedeuten:
Liedsang und Sterbeläuten
Ist recht für einen Wandrer
Zusammengestimmt.
 
Mich wundert, ob ein andrer
Die beiden zumal vernimmt?


Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 44.


3. Auskunft


In Welschland, wo die braunen
Buben vom Straßenrand
In die heiße Bläue staunen,
Da bin ich wohl bekannt.
 
Dort wachsen schwarze Bäume
Wie Fackeln steil und schlank,
Die machen dir alle Träume
Von welscher Liebe krank.
 
Dort schlagen blaue Wellen
An [golden]1 braunen Stein,
Dir fallen dabei viel Stellen
Aus den schönsten Liedern ein.
 
Und wo drei Bäume stehen,
Das nennen sie einen Wald,
Darunter siehst du gehen
Manch schöne Frauengestalt.
 
Und wenn dir eine gegeben
Einen Kuß auf deinen Mund,
So bist du krank fürs Leben
Und wirst nicht mehr gesund.


View original text (without footnotes)

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 491-492.

1 Schoeck: "goldig"

4. Jahrestag


Im alten loderlohen Glanze,
In aller schwelgerischen Pracht
Steigt heute vor dir auf der ganze
Traum jener schwülen Sommernacht.

Und zitternd in verträumten Lüsten
Drückst du verzweifelt, heiß und wild
Die vollen, schönen, oftgeküßten,
Blutroten Lippen auf mein Bild.


Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 47.


Gentle Reminder
This website began in 1995 as a personal project, and I have been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your gift is greatly appreciated.
     - Emily Ezust

Browse imslp.org (Petrucci Music Library) for Lieder or choral works