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Letzte Gedichte: drei Lieder über den Tod und das Sterben

Word count: 547

Song Cycle by Becky Llewellyn (b. 1950)

Original language: Last poems : three songs on death and dying

1. Lied vom Tod

Language: German (Deutsch) after the English

Authorship

  • Translation from English to German (Deutsch) copyright © 2016 by Bertram Kottmann, (re)printed on this website with kind permission. To reprint and distribute this author's work for concert programs, CD booklets, etc., you must ask the copyright-holder(s) directly for permission. If you receive no response, you must consider it a refusal.

    Bertram Kottmann. Contact:
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Singt das Lied vom Tod, ja, singt es!
Denn bleibt es ungesungen, dann wird das Lied des Lebens
sinnlos und absurd.

So stimmt alsdann das Lied vom Tode an und dieser längsten Reise,
und was die Seele wohl nimmt mit und was zurück sie lässt,
und wie sie eindringt, Schicht um Schicht, und tief und tiefer in ein Dunkel,
denn das All gleicht - selbst im Tod - dem gewundenen Gehäuse einer dunklen Muschel,
das sich auf ein Innerstes aus absoluter Stille und völligem Vergessen hinzentriert,
auf dass die Seele endlich dort ankommt und den vollkommnen Frieden findet.

Singt diesem Innersten aus Dunkelheit und völligem Vergessen,
wo endlich dann die Seele sich versenkt
in vollkommnem Frieden.
Singt das Lied vom Tod, ja, singt es!


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2. Schatten

Language: German (Deutsch) after the English

Authorship

  • Translation from English to German (Deutsch) copyright © 2016 by Bertram Kottmann, (re)printed on this website with kind permission. To reprint and distribute this author's work for concert programs, CD booklets, etc., you must ask the copyright-holder(s) directly for permission. If you receive no response, you must consider it a refusal.

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Und sollte meine Seele heute Nacht im Schlaf den Frieden finden
und in ein hilfreiches Vergessen sinken
und sich dem neuen Tage öffnen wie die Morgenblüte,
dann bin ich wiederum in Gott getaucht und neu erschaffen. 

Und sollte sich im Lauf der Lebenswochen bei Mondesdunkel
Geist und Gemüt verdüstern und entweichen, und eine seltsam matte Schwermut
meine Regungen, Gedanken, meine Worte will durchwalten,
soll mir gewahr sein, dass Gott mich weiterhin begleitet,
und dass ich nah ihm bin, nun, da der Mond im Schatten steht.

Und sollte ich, wenn Herbstesdunkel mehr und mehr sich breitet,
den Schmerz fallenden Laubes spüren, die Pein der Stämme, die im Sturm zersplittern,
und Drangsal, Kummer und Verfall
und dann die dunklen Schatten,
die meinen Geist und meine Seele, meinen Mund
so wonnig sanft umhüllen, wie eine süße Ohnmacht oder mehr noch wie ein leises Schlummerlied voll Trauer, 
dunkler als das Lied der Nachtigall, fort, fort bis hin zur Sonnenwende
und dem Schweigen kurzer Tage, dem des Jahres und der Schatten,
soll mir gewahr sein, dass mein Leben sich noch regt
und weiterzieht mit dieser dunklen Welt 
und deren Verfall und Neuwerdung zutiefst vergisst.

Und sollten im Wandel meines Seins
Krankheit und Elend über mich kommen,
meine Gelenke und mein Herz gebrochen scheinen,
und alle Kraft dahin, und mein Leben
nur das Überbleibsel eines Seins:

Und doch darunter Fetzen seligen Vergessens und Fetzen der Neuwerdung,
vereinzelt winterliche Blüten auf dürren Stängeln, doch neue, unvertraute Blüten,
wie sie noch nie zuvor geblüht in meinem Leben, ein neues Blühn aus mir,

dann muss gewahr mir sein, dass ich immer noch
in den Händen des unbekannten Gottes ruhe.
Er löst mich auf seines Vergessens willen,
um mich hervorzubringen als neuen Menschen an einem neuen Morgen.


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3. Allerseelen

Language: German (Deutsch) after the English

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  • Translation from English to German (Deutsch) copyright © 2016 by Bertram Kottmann, (re)printed on this website with kind permission. To reprint and distribute this author's work for concert programs, CD booklets, etc., you must ask the copyright-holder(s) directly for permission. If you receive no response, you must consider it a refusal.

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Geht mit dem Tod alsdann behutsam um und sacht.
Denn Sterben ist nicht leicht,
schwer ist es, diese Pforte zu durchschreiten,
selbst wenn sie sich uns auftut.

Wo gehen diese armen Toten hin, 
wenn sie die Stadt
des nun unrettbaren Leibs verlassen haben,
die Stadt, ummauert, silberhell?
Wo gehn sie hin?

Sie weilen dann im Schatten dieser Welt.
In ihrem langen Schattenkegel drängen sich die Seelen,
die nicht hinüber finden über jenes Meer, das alles wandelt.

Seid euren Sterbenden ein Freund:
Ermutigt sie, den Todesnachen selbst zu bauen,
tritt ihre Seele doch die lange, lange Reise an
ins heit’re Reich ohne Erinnerung.
Wir alle brauchen einen Nachen, den Nachen
und gehörig Proviant für diese längste Reise.
Gebt euren Toten stets aufs Neu etwas
aus eurem Herzen mit, und rüstet liebend sie
vor ihrer Reise übers Meer.


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