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Lieder und Romanzen mit Klavierbegleitung

Word count: 1069

by Conradin Kreutzer (1780 - 1849)

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1. Das Schloß am Meer


Hast du das Schloß gesehen,
Das hohe Schloß am Meer?
Golden und rosig wehen
Die Wolken drüber her.

Es möchte sich niederneigen
In die spiegelklare Flut;
Es möchte streben und steigen
In der Abendwolken Glut.

"Wohl hab' ich es gesehen,
 Das hohe Schloß am Meer,
Und den Mond darüber stehen
Und Nebel weit umher."

Der Wind und des Meeres Wallen,
Gaben die frischen Klang?
Vernahmst du aus hohen Hallen
Saiten und Festgesang?

"Die Winde, die Wogen alle
Lagen in tiefer Ruh,
Einem Klagelied aus der Halle
Hört ich mit Tränen zu."

Sahest du oben gehen
Den König und sein Gemahl?
Der roten Mäntel Wehen,
Der goldnen Kronen Strahl?

Führten sie nicht mit Wonne
Eine schöne Jungfrau dar,
Herrlich wie die Sonne,
Strahlend im goldnen Haar?

"Wohl sah ich die Eltern beide,
Ohne der Kronen Licht,
Im schwarzen Trauerkleide;
Die Jungfrau sah ich nicht."


2. Seliger Tod


Gestorben war ich
Vor Liebeswonne;
Begraben lag ich
In ihren Armen;
[Erwecket]1 ward ich
Von ihren Küßen;
Den Himmel sah ich
In ihren Augen.


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1 Beer: "erweckt"

3. Die Kapelle


Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab,
Drunten [singt]1 bei Wies' und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab'.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor;
Stille sind die frohen Lieder,
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal.
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
Dir auch singt man dort einmal.


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1 Blodek: "sitzt"

4. Mein Gesang


Ob ich die Freude nie empfunden?
Ob stets mein Lied so traurig klang?
O nein! ich lebte frohe Stunden,
Da war mein Leben Lustgesang.
Die milde Gegenwart der Süßen
Verklärte mir das Blumenjahr;
Was Morgenträume mir verhießen,
Das machte stets der Abend wahr.

O könnten meiner Wonne zeugen
Des Himmels und der Bäche Blau,
Die Haine mit den Blütenzweigen,
Der Garten und die lichte Au!
Die haben alles einst gesehen
Und haben alles einst gehört.
Doch ach! sie müssen traurig stehen,
Auch ihre Zier ist nun zerstört.

Du aber zeuge, meine Traute,
Du Ferne mir, du Nahe doch!
Du denkst der kindlich frohen Laute,
Du denkst der sel'gen Blicke noch.
Wir hatten uns so ganz empfunden,
Wir suchten nicht das enge Wort;
Uns floß der rasche Strom der Stunden
In freien Melodien fort.

Du schiedest hin, die Welt ward öde,
Ich stieg hinab in meine Brust;
Der Lieder sanfte Klagerede
Ist all mein Trost und meine Lust.
Was bleibt mir, als in Trauertönen
Zu singen die Vergangenheit?
Und als mich schmerzlich hinzusehnen
In neue goldne Liebeszeit?


5. An einem heitern Morgen


O blaue Luft nach trüben Tagen,
Wie kannst du stillen meine Klagen?
Wer nur am Regen krank gewesen,
Der mag durch Sonnenschein genesen.

O blaue Luft nach trüben Tagen,
Doch stillst du meine bittern Klagen!
Du glänzest Ahnung mir zum Herzen:
Wie himmlisch Freude labt nach Schmerzen.


6. Ruhetal


[Wann]1 im letzten Abendstrahl
Goldne Wolkenberge steigen
Und wie Alpen sich erzeigen,
Frag' ich oft mit Tränen:
Liegt wohl zwischen jenen
Mein ersehntes Ruhetal?


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Confirmed with: Uhlands Werke, Erster Teil, Gedichte, herausgegeben von Adalbert Silbermann, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart: Deutsches Verlagshaus Bong & Co., [no year], page 45.

1 Lang, Mendelssohn: "Wenn"

7. Entschluß


Sie kommt in diese stillen Gründe.
Ich wag' es heut mit kühnem Mut!
Was soll ich beben vor dem Kinde,
Das niemand was zu Leide tut?

Es grüssen Alle sie so gerne,
Ich geh' vorbei und wag es nicht,
Und zu dem allerschönsten Sterne
Erheb' ich nie mein Angesicht.

Die Blumen, die nach ihr sich beugen,
Die Vögel mit dem Lust gesang,
Sie dürfen Liebe ihr bezeugen,
Warum ist mir allein so bang?

Dem Himmel hab' ich oft geklaget
In langen Nächten bitterlich
Und habe nie vor ihr gewaget
Das eine Wort: Ich liebe dich!

Ich will mich lagern unterm Baume,
Da wandelt täglich sie vorbei,
Dann will ich reden als im Traume,
Wie sie mein süßes Leben sei.

Ich will - oh weh! welch ein Schrecken!
Sie kommt heran, sie wird mich sehn!
Ich will mich in den Busch verstecken,
Da seh' ich sie vorübergehn...


8. Greisesworte


Sagt nicht mehr: guten Morgen! guten Tag! 
Sagt immer: guten Abend! gute Nacht! 
Denn Abend ist es um mich und die Nacht
Ist nahe mir; o wäre sie schon da! 

Komm her, mein Kind, o du mein süßes Leben! 
Nein! komm, mein Kind! o du mein süßer Tod! 
Denn alles, was mir bitter, nenn' ich Leben, 
Und was mir süß ist, nenn' ich alles Tod.


Confirmed with Gedichte von Ludwig Uhland, Wohlfeile Ausgabe, Vierte Auflage, Stuttgart und Augsburg, J. G. Cotta'scher Verlag, 1856, page 115.


9. Der nächstliche Ritter


In der mondlos stillen Nacht
Stand er unter dem Altane,
Sang mit himmlisch süßer Stimme
Minnelieder zur Gitarre.

Dann auch mit den Nebenbuhlern
Hat er tapfer sich geschlagen,
Daß die hellen Funken stoben,
Daß die Mauern widerhallten.

Und so übt' er jeden Dienst,
Den man weihet edeln Damen,
Daß mein Herz in Lieb' erglühte
Für den teuern Unbekannten.

Als ich drauf am frühen Morgen
Bebend blickte vom Altane:
Blieb mir nichts von ihm zu schauen,
Als sein Blut, für mich gelassen.


10. Der Königssohn I


Der Jüngling steht auf dem Verdeck,
Sieht seine Schiffe fahren,
Die Sonne strahlt, es spielt die Luft
Mit seinen goldnen Haaren.

Das Ruder schallt, das Segel schwillt,
Die bunten Wimpel fliegen,
Meerfrauen mit Gesang und Spiel
Sich um die Kiele wiegen.

[Er spricht:]1 "Das ist mein Königreich,
Das frei und lustig streifet,
Das um die träge Erde her
Auf blauen Fluten schweifet."

Da ziehen finstre Wolken auf
Mit Sturm und [mit]1 Gewitter.
Die Blitze zucken aus der Nacht,
Die Maste springen in Splitter.

Und Wogen stürzen auf das Schiff,
So wilde, Bergen gleiche;
Verschlungen ist der Königssohn
Sammt seinem lust'gen Reiche.


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1 omitted by Schumann.

11. Der Königssohn II


Es steht ein hoher, schroffer Fels,
Darum die Adler fliegen,
Doch wagt sich keiner drauf herab,
Den Drachen [sehen]1 sie liegen.

In alten Mauern liegt er dort
Mit seinem goldnen Kamme,
Er rasselt mit der Schuppenhaut,
Er hauchet Dampf und Flamme.

Der Jüngling, ohne Schwert und Schild,
Ist keck hinaufgedrungen,
Die Arme wirft er um die Schlang
Und hält sie fest umrungen.

Er küßt sie dreimal in den Schlund,
Da muß der Zauber weichen,
Er hält im Arm ein holdes Weib,
Das schönst' in allen Reichen.

Die herrliche, gekrönte Braut
Hat er am Herzen liegen,
Und aus den alten Trümmern ist
Ein Königsschloß gestiegen.


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1 Schumann: "seh'n"

12. Der Königssohn III


Der König und die Königin,
Sie stehen auf dem Throne,
Da glüht der Thron wie Morgenrot,
Wie steigende Sonn die Krone.

Viel stolze Ritter stehn umher,
Die Schwerter in den Händen,
Sie können ihre Augen nicht
Vom lichten Throne wenden.

Ein alter, blinder Sänger steht,
An seiner Harf gelehnet,
Er fühlet, daß die Zeit erschien,
Die er so lang ersehnet.

Und plötzlich springt vom hohen Glanz
Der Augen finstre Hülle.
Er schaut hinauf und wird nicht satt
Der Herrlichkeit und Fülle.

[Er greifet in sein Saitenspiel,
Das ist gar hell erklungen,
Er hat in Licht und Seligkeit
Sein Schwanenlied gesungen.]1


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1 Schumann replaces the last stanza with
Welch' Wunder enthüllt dem Auge sich, 
welch' gleichenloses Wunder!

Im Dunkel war das Aug' gehüllt, 
die Sonne leuchtet wieder; 
Euch bring' ich, Hohe, wonn' erfüllt, 
den Dank der ersten Lieder!

Geblendet von der neuen Pracht, 
wo berg' ich meine Blicke! 
Schliesst, Augen, euch, dass nicht die Nacht 
von Neuem euch umstricke.

Nun das Auge geschaut 
die höchste Pracht, 
nun sing' ich mein letztes, 
mein schönstes Lied:

Gepriesen sei der Königssohn, 
der selbst sich erkämpft den Herrscherthron; 
gepriesen sei sein hold Gemahl, 
das er kühn befreit aus Zaubers Qual.

Und gepriesen auch, was aus ihrem Bund blühet empor, 
gepriesen, gepriesen sei das ganze Königshaus!
Heil dem Herrscherpaar, gepriesen sei das Herrscherpaar!

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     - Emily Ezust

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