The LiederNet Archive
WARNING. Not all the material on this website is in the public domain.
It is illegal to copy and distribute our copyright-protected material without permission.
For more information, contact us at the following address:
licenses (AT) lieder (DOT) net

Fünf Lieder

Word count: 310

by Ottmar Gerster (1897 - 1969)

Not all available information for this cycle is visible. Return to normal display.

1. Lied in der Nacht


Straßen hin und Straßen her
Wandr ich in der Nacht;
Bin [aus Träumen]1 dumpf und schwer
Schluchzend aufgewacht.
Thränen,
Sehnen,
Lust und Schmerz, --
Ach, wohin treibt mich mein Herz?
Ach, wohin treibt mich mein Herz?
 
Steht ein Haus in Grün gebaut
[Draußen vor]2 der Stadt,
Wo der Fluß mit [leisem Laut]3
Sein Geströme hat.
Blüten
Hüten
Dicht es ein:
Dort möcht ich zu Gaste sein,
Dort möcht ich zu Gaste sein.


View original text (without footnotes)
1 Richter: "durch Träume"
2 Richter: "ferne von"
3 Richter: "sanftem Lauf"

2. Unschuld


Gieb, schönes Kind, mir deine Hand
Und sieh mich an,
Den Reisenden aus Wehmutland
Und ärmsten Mann.

Schlag deine Augen nieder nicht;
Sie sind so hold;
Noch nicht voll Glut, doch voller Licht
Und Unschuldsgold.

Das hat so innig milden Schein,
Oh süßes Kind,
Dass alle Kümmernisse mein
Verflogen sind.


3. Sankt Jörg


Ich bin Sankt Jörg,
Steh auf dem Berg, 
Steh auf der Wache.
Schlug ich auch tot
Den Wurm der Not:
Der alte Drache
Ließ junge Brut,
Die nimmer ruht;
Sie schleicht im Tale.
Ich bin bereit
Und führ den Streit
Zum andern Male.


4. Schmied Schmerz


Der Schmerz ist ein Schmied,
Sein Hammer ist hart,
von fliegenden Flammen
Ist heiß sein Herd;
Seinen Blasebalg bläht
Ein stoßender Sturm
Von wilden Gewalten.
Er hämmert die Herzen
Und schweißt sie mit schweren
Und harten Hieben
Zu festem Gefüge.

Gut, gut schmiedet der Schmerz.

Kein Sturm zerstört,
Kein Frost zerfrißt,
Kein Rost zerreißt,
Was der Schmerz geschmiedet.


5. Gebet des geschienten Ritters im Felde


Herr Gott im Himmel, hör mich an! 
Sitzend muß ich beten, weil ich nicht knieen kann, 

Und auch die Hände falten, 
Das kann ich nicht; 
Ich muß die Lanze halten 
Zur Brust mir dicht. 

Nun höre, was ich bete, 
Lieber Gott und Herr: 
Zu Bette liegt die Grete, 
Der macht nit schwer; 

Sie will ein Kind mir bringen, 
Mägdlein oder Sohn: 
Das laß du wohl gelingen,
König auf deinem Thron! 

Sonst hab ich nichts zu beten, 
Ich muß im Felde stehn,--
Nur das mit Grethen
Laß wohl geschehn.


Gentle Reminder
This website began in 1995 as a personal project, and I have been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your gift is greatly appreciated.
     - Emily Ezust

Browse imslp.org (Petrucci Music Library) for Lieder or choral works