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Vier Lieder nach chinesischen Texten

Word count: 312

Song Cycle by Anna Hegeler

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1. Der Pavillon aus Porzellan


Mitten in dem kleinen Teiche
Steht ein Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan.

Wie der Rücken eines Tigers
Wölbt die Brücke sich aus Jade
Zu dem Pavillon hinüber.

In dem Häuschen sitzen Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern,
Manche schreiben Verse nieder.

Ihre seidnen Ärmel gleiten
Rückwärts, ihre seidnen Mützen
Hocken lustig tief im Nacken.

Auf des kleinen Teiches stiller
Wasserfläche zeigt sich alles
Wunderlich im Spiegelbilde,

Alles auf dem Kopfe stehend
In dem Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan;

Wie ein Halbmond steht die Brücke,
Umgekehrt der Bogen. Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern.


2. Das Blatt der Frühlingsweide


Nicht deshalb lieb ich jene junge Frau,
Die träumerisch an ihrem Fenster lehnt,
Weil sie den ragenden Palast besitzt
Am Gelben Flusse, - nein, ich liebe sie,
Weil sie dies kleine Blatt der Frühlingsweide
Ins Wasser gleiten ließ . . .

Nicht deshalb liebe ich den Ostwind, weil
Er mir den holden Duft der Birnbaumblüten
Herüberträgt von blumig weißen Höhen, -
Nein, weil er mir das Blatt der Frühlingsweide
An meinen Kahn trieb, - darum lieb ich ihn!

Nicht deshalb lieb ich dieses kleine Blatt
Der Frühlingsweise, weil es mir die Wonnen
Des Lenzes bringt, - nein, weil die junge Frau
Mit einer feinen Nadel meinen Namen
Hineingeritzt hat, - darum lieb ich es!


3. In Erwartung des Freundes

Note: this is a multi-text setting

Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge.
In alle Täler steigt der Abend nieder
Mit seinen Schatten, die voll Kühlung sind.
O sieh! Wie eine Silberbarke schwebt
Der Mond herauf hinter den dunkeln Fichten,
Ich spüre eines feinen Windes Wehn

Der Bach singt voller Wohllaut durch das Dunkel.
Von Ruh und Schlaf...

Die arbeitsamen Menschen gehn heimwärts,
voller Sehnsucht nach dem Schlaf.

Die Vögel hocken müde in den Zweigen,
Die Welt schläft ein!

Ich stehe hier und harre des Freundes;
der zu kommen mir versprach

Ich sehne mich, o Freund, an deiner Seite
Die Schönheit dieses Abends zu genießen.
Wo bleibst du nur? Du läßt mich lang allein!
Ich wandle auf und nieder mit der Laute
Auf Wegen, die vom weichen Grase schwellen --
O kämst du, kämst du, ungetreuer Freund!
Note: this text is still copyright in the EU by YinYang Media Verlag.




Ich stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk
Des Abschieds dar. Ich fragte ihn, wohin
Und auch warum er reisen wolle.
Er sprach mit umflorter Stimme: Du mein Freund
Mir war [das Glück in dieser Welt]1 nicht hold!
Wohin ich geh? Ich wandre in die Berge.
Ich suche Ruhe für mein einsam Herz.
Ich werde nie mehr in die Ferne schweifen.
Müd ist mein Fuss und müd ist meine Seele!
Die Erde ist die gleiche überall
Und ewig, ewig sind die weissen Wolken...
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Note: this text is still copyright in the EU by YinYang Media Verlag.

1 Valen: "in dieser Welt das Glück"



4. Der Unwürdige


Schön ist die Linie deiner Augenbrauen,
Wie Porzellan sind deine Handgelenke,
Und deine Wangen sind wie Pfirsiche.

Du wandelst wie ein Reh mit scheuen Füßen,
Und bringst du deinen Ahnen Totenopfer,
So scheinst du groß wie eine Priesterin.

Du bist die schönste Frau am gelben Flusse
Und rein wie Neuschnee. Keine böse Zunge
Wagt deines Herzens Reinheit anzutasten.

Ich bin nicht würdig, deines Herzens Neigung
Je zu besitzen. Ich bin schlecht und niedrig,
Doch du bist einer Göttin strahlend Kind.

Gewähre mir, daß ich von ferne stehe;
Ich will ein Lied auf meiner Laute suchen,
Das meine Lust und Qual dir künden soll.


Confirmed with Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit, ed. Hans Bethge, Leipzig: Max Hesses Verlag, 1907, pages 66-67

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     - Emily Ezust

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