Drei Gesänge nach Texten von Goethe und Conrad Ferdinand Meyer

Song Cycle by Dietrich Manicke (b. 1923)

Word count: 300

1. Gesang der Erzengel [sung text not yet checked]

Raphael:
 Die Sonne tönt nach alter Weise
 In Brudersphären Wettgesang,
 Und ihre vorgeschriebne Reise
 Vollendet sie mit Donnergang.
 Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
 Wenn keiner sie ergründen mag;
 Die unbergreiflich hohen Werke
 Sind herrlich wie am ersten Tag.

Gabriel:
 Und schnell und unbegreiflich schnelle
 Dreht sich umher der Erde Pracht,
 Es wechselt Paradieseshelle
 Mit tiefer, schauervoller Nacht;
 Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
 Am tiefen Grund der Felsen auf,
 Und Fels und Meer wird fortgerissen
 In ewig schnellem Sphärenlauf.

Michael:
 Und Stürme brausen um die Wette,
 Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,
 Und bilden wütend eine Kette
 Der tiefsten Wirkung ringsumher.
 Da flammt ein blitzendes Verheeren
 Dem Pfade vor des Donnerschlags;
 Doch deine Boten, Herr verehren
 Das sanfte Wandeln Deines Tags.

Zu drei:
 Der Anblick gibt den Engeln Stärke,
 Da keiner Dich ergründen mag,
 Und alle Deine hohen Werke
 Sind herrlich wie am ersten Tag.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Der römische Brunnen [sung text not yet checked]

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschalen Rund,
Die sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der Dritten wallend ihre Flut,
Und jene nimmt und gibt zugleich,
Und strömt und ruht.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Henry Sandwith Drinker, Jr.) , "The Roman fountain", copyright ©
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "The Roman fountain", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La fontaine romaine", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Caroline Diehl

3. Gesang der Geister über den Wassern [sung text not yet checked]

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt [er verschleiernd]1,
[Leisrauschend]2,
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem [Sturz']3 entgegen,
Schäumt er unmuthig
Stufenweise
[Zum]4 Abgrund.

Im flachen [Bette]5
[Schleicht]6 er das Wiesenthal hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne. 

Wind ist der Welle
Lieblicher [Buhler]7;
Wind mischt [vom]8 Grund aus
Schäumende [Wogen]9.

Seele des Menschen,
Wie [gleichst]10 du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Gezang der geesten over de wateren", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Shawn Thuris) , "Song of the spirits over the waters", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chant des esprits sur les eaux", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Canto degli spiriti sopra le acque", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Zweyter Band. Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung. 1827, pages 58-59; and with Goethe's Schriften, Achter Band, Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1789, pages 187-188.

1 Schubert (D. 538): "verschleiernd"; and "er verrauschend" in the repetition
2 Schubert (D. 484): "Leisrauschend dann"
3 Goethe (1789 edition): "Sturze"
4 Schubert (D. 484): "Zu dem"
5 Schubert (D. 538 and 714): "Beete"
6 Schubert (D. 484): "Schleichet"
7 Schubert (Alte Gesamtausgabe): "Buhle"
8 Schubert (D. 484 and 538): "von"
9 Schubert (D. 714, Alte Gesamtausgabe): "Wellen"
10 Schubert (D. 484): "gleich"

Research team for this text: Martin-Beatus Meier , Peter Rastl [Guest Editor]