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Dichtungen von Friedrich Nietzsche

Word count: 425

Song Cycle by Wilhelm Peterson-Berger (1867 - 1942)

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1. Meine Rosen


Ja, mein Glück, es will beglücken,
alles Glück will ja beglücken.
Wollt ihr meine Rosen pflücken?
Müßt euch bücken und verstecken
zwischen Fels und Dornenhecken,
oft die Fingerchen euch lecken!
Denn mein Glück es liebt das Necken!
Denn mein Glück es liebt die Tücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?


2. Venedig


An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang;
goldener Tropfen quoll's
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik -
trunken schwamm's in die Dämmrung hinaus ...

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
- Hörte [ihr jemand]1 zu?


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1 Herz, Pejačević: "jemand ihr"

3. Ecce homo!


Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich!


4. Zarathustras Rundgesang


O Mensch! Gib acht!
Was spricht, die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh! 
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"


5. Nicht lange durstest du noch


Nicht lange durstest du noch,
  verbranntes Herz!
Verheissung ist in der Luft,
aus unbekannten Mündern bläst mich's an
  - die grosse Kühle kommt ...
Meine Sonne stand heiss über mir im Mittage:
seid mir gegrüsst, dass ihr kommt
  ihr plötzlichen Winde
ihr kühlen Geister des Nachmittags!
Die Luft geht fremd und rein.
Schielt nicht mit schiefem
  Verführerblick
die Nacht mich an? ...
Bleib stark, mein tapfres Herz!
Frag nicht: warum? -


6. Tag meines Lebens!


Tag meines Lebens!
Die Sonne sinkt.
Schon steht die glatte Flut vergüldet.
Warm atmet der Fels:
schlief wohl zu Mittag das Glück
auf ihm [seinen]1 Mittagsschlaf?
In grünen Lichtern spielt Glück
noch der braune Abgrund herauf.

Tag meines Lebens!
Gen Abends gehts!
Schon glüht dein Auge halb gebrochen,
schon quillt deines [Taues]2 Tränengeträufel,
[schon]3 läuft still über weiße Meere
deine Liebe Purpur,
deine letzte zögernde Seeligkeit.


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1 Wolff: "den"
2 Wolff: "Tau's"
3 Wolff: "und schon"

7. Heiterkeit, güldene, komm!


Heiterkeit, güldene, komm!
  du des Todes
heimlichster süßester Vorgenuß!
- Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuß müde ward,
  holt dein Blick mich noch ein,
  holt dein Glück mich noch ein.
Rings nur Welle und Spiel.
  Was je schwer war,
sank in blaue Vergessenheit,
müßig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt - wie verlernt er das!
  Wunsch und Hoffnung ertrank,
  glatt liegt Seele und Meer.
Siebente Einsamkeit!
  Nie empfand ich
näher mir süße Sicherheit,
wärmer der Sonne Blick.
- Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
  Silbern, leicht, ein Fisch
  schwimmt nun mein Nachen hinaus ...


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     - Emily Ezust

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