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Lieder aus Julius Wolff's Rattenfänger von Hameln

Word count: 2473

Song Cycle by Franz (Friedrich) von Holstein (1826 - 1878)

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1. Nun will ich mit dem reinsten Klang


Nun will ich mit dem reinsten Klang
Mein Saitenspiel wohl rühren,
Nun soll sich meines Liedes Sang
Die höchste Wette küren,
Daß Aller Augen auf mich schau'n,
Wenn ich die Kunst erprobe
Euch holden Mädchen, schönen Frau'n
Zu Liebe und zu Lobe.

Gegrüßet seid mit allem Preis,
Ihr Zarten, Süßen, Losen,
Ihr stolzen, schlanken Lilien weiß
Und ihr, ihr rothen Rosen!
Ihr aller Schuld ein Schirm und Dach,
Ein Schild vor allem Leide,
Voll milder Güte ein klarer Bach,
Eine schimmernde Augenweide.

Ihr seid ein edler Würzewein,
Der Liebe Ingesiegel,
Voll süßer Lust ein goldner Schrein,
Der Treue starker Riegel.
Wenn ihr euch lieb und hold mir neigt
Mit eurem Gruß und Segen,
Mir's wunniglich zu Herzen steigt
Wie duftiger Maienregen.

Und lächelt mir eu'r rother Mund,
So bin ich schon eu'r eigen,
Und was mir blüht auf Herzensgrund,
Das kann ich nicht verschweigen;
Minniglich will ich sel'ger Mann
Euch in die Augen schauen,
So lang' ich singen und sagen kann,
Will ich lieben und loben die Frauen.


2. Zwei Sterne machen mich jung und alt


Zwei Sterne machen mich jung lind alt
Und haben über mich alle Gewalt
Mit ihrem Blitzen und Blinken;
Ich weiß auch einen rothen Mund,
Ach! daran könnt' ich mich gesund
Von allen Schmerzen trinken.
Doch Eine geht dahin und lacht
Und will mich nicht verstehen,
Wie der Sommer in seiner Pracht
Nichts weiß von des Winters Wehen.

Die Vöglein singen das alte Lied,
Daß nie von Leide sich Liebe schied,
Ich schweige in sehnenden Aengsten.
Ich wollte, es käme im Abendroth
Den Weg mir entgegen der bleiche Tod
Und spräche: Nun littst du am längsten!
Wohl mag sich freuen am Sonnenstrahl
Der Frohe auf Bergesgipfel,
Ich liege klagend im schattigen Thal,
Und oben glänzen die Wipfel.

Eingetaucht in Schmerz und Wehmuth
War das Lied; Regina fühlte
Ieden Ton in ihrer Seele
Wiederhallen, alle Saiten
Ihres Innern mächtig schwingen;
Zu dem traumgewiegten Herzen
Flüsterten von Huld und Mitleid
Schmeichelnd die erregten Sinne.
Und als hätt' er das errathen,
Ließ es jetzt wie Siegesjubel
Hunold von den Strängen rauschen
Und dazu ein innig Werben,
Süß wie Minnedank, ertönen.


3. Steige auf, du goldne Sonne


Steige auf, du goldne Sonne,
Aus der sturmdurchrauschten Fluth,
Lodre, heiße Liebeswonne,
Brich hervor, verhaltne Gluth!
Ohne Wanken, ohne Schwanken
Eine Lust nur und ein Leid
Wohnt in Wünschen und Gedanken
Und nur eine Seligkeit.

Was auf Erden lebt und webet,
Und was wandelt durch den Raum,
Was die Welle senkt und hebet,
Und was singt und klingt im Traum,
Alles Wehen, alles Stehen
In des Lebens großem Haus,
Alles Werden und Vergehen
Haucht der Liebe Athem aus.

Soll ich leben, muß ich lieben,
Und, Geliebte, höre mich:
Lieber aus der Welt vertrieben,
Als darin sein ohne dich!
Wie aus Bahnen laß mich ahnen
Aus den Augen mein Geschick,
Wie der Liebe leises Mahnen
Dulde meinen stummen Blick.


4. Morgengruss


"An meiner Thüre du blühender Zweig
Frühe beim Morgenrothe,
Bist mir ein lieblicher Fingerzeig,
Sehnender Freundin Bote.

Tausendmal segn' ich den flüchtigen Fuß,
Der mit schüchternem Wagen
Dich als thaufrischen, wonnigen Gruß
Mir auf die Schwelle getragen.

Weiß ich es doch, als hätt' ich's gesehn,
Wer dich pflückte vom Strauche,
Wittre in deinem Dufte ein Wehn
Von ihres Mundes Hauche.

Und ein sinniger, seliger Mann,
Pflanz' ich dich auf am Hute,
Sehen mag dich, wer sehen kann,
Sehen die Hochgemuthe!" 


5. Geständniss


Laß mich dir sagen, laß mich dir singen,
Daß ich dich liebe, du herzige Maid,
Ach! mich umsauset ein Schwingen und Klingen,
Herz will mir springen,
Weiß nicht, vor Glück oder Leid.

Wenn ich dich sehe, nahe und ferne,
Geht mit mir Alles auf Erden rundum,
Daß meinen Namen ich gerne verlerne,
Himmlische Sterne,
Tanzet um's Liebchen herum!

Habe geschworen mit Weinen und Lachen:
Mein muß sie werden, und mein wird sie doch!
Und ob dich Riesen und Drachen bewachen,
Auch aus dem Rachen
Riß' ich der Hölle dich noch.

Sieh! und da bin ich; nun will ich dich drücken,
Drücken dich fest an die klopfende Brust,
Laß dich von Liebesentzücken berücken,
Ging auch in Stücken
Welt vor der ewigen Lust!


6. Wanderlied


Die Schuhe geflickt und der Beutel gespickt,
Grüß' Gott, du wirthliches Dach!
Fahrt wohl, ihr Brüder, die ihr mir nickt,
Und saget nichts Böses mir nach;
Schweigt stille, ihr Mädel, von Abschied und Trauer,
Ich blase die Feder wohl über die Mauer,
Und fliegt sie grad' oder schräg,
So geht mein Weg.

Sie steckten ans Wamms mir den duftigen Strauß
Und schenkten mir noch einmal ein,
Dann wandert' ich fürbaß zum Thore hinaus
Und war in der Fremde allein.
Zurück nach den Thürmen noch blickt' ich vom Stege,
Da riefen die Vögel aus Busch und Gehege:
Fahr' weiter, Gesell, fahr' zu!
Was säumest du?

Zog über die Heide und über das Moor,
Da wehte der Wind so kalt,
Da sang es im Schilfe, da pfiff es im Rohr,
Und dann in den düsteren Wald,
Da gingen die Bäume die Winke die Wanke,
Die Brausen die Brasseln, die Klinke die Klanke,
Da schäumte und rauschte der Bach:
Mir nach! mir nach!

Nun kam ich zur klappernden Mühle in Gang
Und dachte: da kehrest du ein
Und legst dein Bündel still unter die Bank
Und grüßest mit Glück herein!
Den Mühlenstein sollst auf's Wasser du schlagen.
Tragt's den, so wird es dich auch wohl tragen;
Das Mühlrad ging immer rundum:
Kehr' um! kehr' um!

Ich habe durchfahren das weite Land,
Durchfahren dahin, daher,
Und was allerwegen vom Glück ich fand,
Davon ist das Ränzel nicht schwer,
Die Blumen am Wege, am Himmel die Sterne,
Die Einen verwelkt, die Andern so ferne,
Mein Herz, in der Welt allein,
Wer denkt noch dein?


7. Fahrende Scholaren


Durch die Welt mit Sang und Klang
Ziehen wir in Schaaren
Kreuz und quer auf guten Fang,
Fahrende Scholaren,
Wittern das Vergrabne gleich
Wie den Fuchs die Meute,
Sind im ganzen Röm'schen Reich
Bestbeschrie'ne Leute.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Weh! für uns im Rauche hängt
Nichts zu hoch beim Bauern,
Und wo sich ein Marder zwängt
Durch Stakett und Mauern,
Bohren wir uns auch durchs Fach
Tags und Nachts um zwölfe
Wie der Blitz durchs Scheunendach,
Hungrig wie die Wölfe.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Zahn und Klinge sind gewetzt,
Ausgepicht die Kehlen,
Wo wir uns mal festgesetzt,
Fängt's bald an zu fehlen.
Erst das Huhn und daun das Ei
Oder umgekehret,
Uns ist Alles einerlei,
Wie's der Herr bescheeret.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Die in Seide, die in Flachs,
Hold sind uns die Dirnen,
Unsre Herzen sind von Wachs,
Ehern unsre Stirnen.
Statt daß wir am Rosenkranz
Paternoster plappern,
Springen wir im Ridewanz,
Und die Würfel klappern.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Fürchten Tod und Teufel nit,
Wissen ihn zu bannen,
Fahrender Schüler Schritt und Tritt
Führt zu Krug und Kannen.
Wir sind geistlich, fromme Kind,
Arme, tumbe Knaben,
Wenn wir erst mal Bischof sind,
Woll'n wir's besser haben,
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!


8. Einkehr


Wirth, hast du nicht ein volles Faß?
Das wollen wir heut anstechen,
Hier unter Bäumen auf grünem Gras
Giebt das ein lustig Zechen.
Der beste Trank, den Einer kennt,
Der wird der gute Wein genennt
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Wo hab' ich denn den Durst nur her?
Er steckt mir in der Kehle,
Und wenn das Trinken Sünde wär',
Bei meiner armen Seele!
Auf Erden ließ' ich's nimmer doch
Und tränk' auch in der Hölle noch,
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Komm, Pfäfflein, komm, du Reitersmann,
Du Waidmann und du Ferge,
Ihr Wegemüden, haltet an!
Hier rinnt ein Quell vom Berge;
Sitzt nieder auf dem grünen Plan,
Ersäuft den Wurm im hohlen Zahn
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Geh' nicht vorüber, Mägdelein,
Du fehlst noch in der Runde,
Es fällt in's Herz wie Sonnenschein
Ein Gruß von rothem Munde;
Komm, jeden Kuß, verschämt und still,
Mit Küssen ich dir vergelten will
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Ho! Spielmann, Spielmann, schnell herbei!
Woher, wohin die Pfade?
Hier lebt sich's lustig, fromm und frei,
Schau' an die Gottesgnade!
Rückt hin, Gesellen, seht! er winkt,
Er kommt, nun lacht und singt und trinkt
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.


9. Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg'


Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg',
Und wenn mit des Kaisers Schwert ich schlüg',
Ich wüßt' eine Wundermäre;
Ich spräche wohl heilig mein Herzenslieb
Und schlüge zum Ritter den Tugenddieb,
Wenn ich und kein Andrer es wäre.

Komm, komm, viellieber Geselle mein,
Du wilder Falke, kehr' ein, kehr' ein!
Ich weiß einen Himmel auf Erden;
Und wenn du auch noch kein Ritter bist,
Und wenn auch dein Lieb keine Heilige ist,
Da können wir selig werden.


10. Rothhaarig ist mein Schätzelein


Rothhaarig ist mein Schätzelein,
Rothhaarig wie ein Fuchs,
Und Zähne hat's wie Helfenbein
Und Augen wie ein Luchs.

Und Wangen wie ein Rosenblatt
Und Lippen wie ein Kirsch,
Und wenn es ausgeschlafen hat,
So schreitet's wie ein Hirsch.

Im Köpfchen sitzt ihm ein Kobold,
Ein Grübchen in dem Kinn,
Ein Herzchen hat es klar wie Gold 
Und kreuzfidelen Sinn.

Wie Silberglöcklein spricht's und lacht's,
Wie eine Lerche singt's,
Und tanzen kann's und Knixe macht's,
Und wie ein Heuschreck springt's.

Und lieben thut's mich, Zapperlot! 
Das weiss was Lieben heisst,
Und küsst es mich -- Schockschwerenoth! 
Ich denk' manchmal, es beisst.

Doch weiter kriegt ihr nichts heraus,
Und fragt ihr früh und spat,
Es kratzt mir sonst die Augen aus,
Wenn ich noch mehr verrath.


11. Willekumm


Und [habe]1 ich gestern zu viel getrunken,
So trinke ich heute noch mehr,
Und bin ich gestern in's Bächlein gesunken,
So stürz' ich mich heute in's Meer,
Ihr Tropfen und Wellen, heraus und herein,
Das Wasser sieht grün aus und gülden der Wein,
Ob unter dem Regen, ob unter der Traufe,
Lieb Brüderlein, haltet mich über die Taufe:
  Willekumm heiß' ich.

Hab' ich gestern zu tief in dein Auge gesehn,
Heut guck' ich erst recht mal hinein,
Wenn ich gestern nicht wußte, wie mir geschehn,
Heut weiß ich es: Schatz, ich bin dein!
Und wenn du nun denkst, daß du Nein sagen wirst,
Wenn ich komme und frage, so sag' ich: du irrst,
Du liebst mich ja schrecklich mit Zittern und Beben,
Gesteh' es doch, kannst ja nicht ohne mich leben,
  Willekumm bin ich.

Was soll nun draus werden? ich sollte mich bessern?
Ach! Liebchen, ich bin doch so gut!
Bei niedlichen Mädchen und neidlichen Fässern
Wächst mir wie ein Riese der Muth,
Ich wanke nicht, schwanke nicht, fühl' auch kein' Reu-,
Ich glaube wahrhaftig, ich bleibe dir treu
Und thue vielleicht auch, laß mir nur Muße,
In deinen Armen zerknirscht einmal Buße,
  Willekumm bleib' ich.

Und wenn einmal nichts mehr zu haben ist,
Kein Bissen, kein Kuß und kein Trunk,
Wenn der Todtengräber begraben ist,
So thu' ich den letzten Sprung;
Und kommt dann der Tod um die Ecke herum
Und wackelt und fiedelt Hop-Heidideldum!
So sag' ich: Gevatter, ich komme schon eben,
Aber hübsch war es doch, Gevatter, das Leben!
  Willekumm! sag ich.


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1 Gottschall: "hab' " ; further changes may exist not shown above.

12. Beschwörungslied des Rattenfängers


Nun Mäuse und Ratten,
Ob alt oder jung,
Hervor aus dem Schatten,
Jetzt gilt es den Sprung;
Es blinket und winket
Die spiegelnde Fluth,
Ertrinket, versinket,
Verteufelte Brut!

Da lauert die Tücke
In goldner Gestalt,
Euch zieht auf die Brücke
Des Zaubers Gewalt.
Es heißet und gleißet
Das Mondlicht so roth
Und reißet und schmeißet
Euch All' in den Tod.

Hinunter, Geziefer,
Verrathen, verflucht,
Nun tiefer und tiefer
Zu schwimmen versucht,
Nun krauchet und tauchet
In Strudel und Graus
Und hauchet und fauchet
Die Seele euch aus!


13. Wulf's Schmiedelied


Mit Gunst zum Ersten! Eisen in Noth,
Füge dich, krümme dich meinem Gebot,
Biege dich, schmiege dich, Eisen so roth!
Unter dem Pfluge als stählerne Hand
Brich die Scholle mir wacker,
Rode die Wurzeln, zieh Furchen im Land,
Stürze den dampfenden Acker.
Sause, brause, Wind in Flammen,
Eisen glühe, Funken sprühe,
Hammer, Hammer, schmeiß zusammen!
  Schmied, schlage hierher!

Mit Gunst zum Zweiten! Eisen in Noth,
Füge dich, krümme dich meinem Gebot,
Biege dich, schmiege dich, Eisen so roth!
Sollst einem Roß an den klingenden Huf,
Daß es den Reiter in Wettern
Trage dahin, wenn des Heerhorns Ruf
Bläst zum Sturme mit Schmettern.
Sause, brause, Wind in Flammen,
Eisen glühe, Funken sprühe,
Hammer, Hammer, schmeiß zusammen!
  Schmied, schlage hierher!

Mit Gunst zum Dritten! Eisen in Noth,
Füge dich, krümme dich meinem Gebot,
Biege dich, schmiege dich, Eisen so roth!
Werde zur Spitze an Lanze und Speer,
Fordre den Feind in die Schranken,
Schlage ihm Wunden, blutig und schwer,
Ohne im Sattel zu wanken.
Sause, brause, Wind in Flammen,
Eisen glühe, Funken sprühe,
Hammer, Hammer, schmeiß zusammen!
  Schmied, schlage hierher!

Mit Gunst zum Letzten! Eisen in Noth,
Füge dich, krümme dich meinem Gebot,
Biege dich, schmiege dich, Eisen so roth!
Lege dich fest um mein jammerndes Herz
Und umpanzre sein Klopfen,
Drück es in Stücken, gefühlloses Erz,
Laß nicht heraus einen Tropfen.
Sause, brause, Wind in Flammen,
Eisen glühe, Funken sprühe,
Hammer, Hammer, schmeiß zusammen!
  Schmied, schlage hierher! 


14. Gertrud's Lied


Immer schaust du in die Ferne,
wie die Wolken flieg'n,
wie am Himmel goldne Sterne,
ihre Bahnen zieh'n!

Und die hohen Gipfel locken
dich bergauf, bergab.
Knabe mit den braunen Locken,
nahmst den Wanderstab.

Hat ja nimmer dich gelitten
in des Vaters Haus;
stürmest fort mit raschen Schritten,
an dem Hut den Strauß.

Sprachst zu mir beim Hände drücken:
"Kind, die Welt ist weit!"
und ich gab dir bis zur Brücken,
weinend das Geleit.

Rosen hab' ich dir gebrochen,
wie der Dorn auch sticht,
was beim Abschiek du versprochen,
o vergiß es nicht!


15. Locklied des Rattenfängers (beim Auszug der Kinder)


Da hinter dem Berge, da funkelt ein Schloß
Mit Höfen und Brücken und Zinnen,
Da spreizen sich Pfauen, da wiehert manch Roß,
Und herrlich wohnt es sich drinnen;
Halb ist es von Marmel, und halb ist es doch
Von Zucker und Marzipane,
Die Treppen so breit und die Säle so hoch,
Vom Thurme weht eine Fahne.

Da sprechen die Thiere wie Menschen so klug
Da nicken die Blumen und singen,
Da giebt es zu essen und Spielzeug genug
Zum Lachen und Tanzen und Springen,
Die prächtigsten Puppen und Reifen und Ball
Und Panzer und Speere und Stecken,
Da tummeln sich Vögel im Haus von Krystall
Und Fischlein in silbernen Becken.

Im prunkenden Saale auf goldenem Thron,
Umgeben von lustigen Leutchen,
Da sitzt ein blondlockiger Königssohn
Mit seinem Prinzessin Bräutchen;
Viel schelmische Knaben und Mädchen so schön,
Die schlingen und führen den Reigen,
Und immer und immer ein lieblich Getön
Von Zimbeln und Harfen und Geigen.

Da hinter dem Berg, da hinter dem Berg,
Da wird euch im Schlosse nichts fehlen,
Da wartet euch auf ein niedlicher Zwerg
Und bückt sich und frägt nach Befehlen.
Bald seht ihr vom Schlosse das blinkende Dach,
Euch reuet wohl nimmer die Reise,
Kommt, kommet, lieb Kinde, und folget mir nach
Ganz heimlich und stille und leise.


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     - Emily Ezust

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