Liedercyklus aus Wolff's Rattenfänger von Hameln

Song Cycle by Ludwig Scherff

Word count: 1823

1. An meiner Thüre du blühender Zweig [sung text not yet checked]

"An meiner Thüre du blühender Zweig
Frühe beim Morgenrothe,
Bist mir ein lieblicher Fingerzeig,
Sehnender Freundin Bote.

Tausendmal segn' ich den flüchtigen Fuß,
Der mit schüchternem Wagen
Dich als thaufrischen, wonnigen Gruß
Mir auf die Schwelle getragen.

Weiß ich es doch, als hätt' ich's gesehn,
Wer dich pflückte vom Strauche,
Wittre in deinem Dufte ein Wehn
Von ihres Mundes Hauche.

Und ein sinniger, seliger Mann,
Pflanz' ich dich auf am Hute,
Sehen mag dich, wer sehen kann,
Sehen die Hochgemuthe!" 

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Harry Joelson

2. Durch die Welt mit Sang und Klang [sung text not yet checked]

Durch die Welt mit Sang und Klang
Ziehen wir in Schaaren
Kreuz und quer auf guten Fang,
Fahrende Scholaren,
Wittern das Vergrabne gleich
Wie den Fuchs die Meute,
Sind im ganzen Röm'schen Reich
Bestbeschrie'ne Leute.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Weh! für uns im Rauche hängt
Nichts zu hoch beim Bauern,
Und wo sich ein Marder zwängt
Durch Stakett und Mauern,
Bohren wir uns auch durchs Fach
Tags und Nachts um zwölfe
Wie der Blitz durchs Scheunendach,
Hungrig wie die Wölfe.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Zahn und Klinge sind gewetzt,
Ausgepicht die Kehlen,
Wo wir uns mal festgesetzt,
Fängt's bald an zu fehlen.
Erst das Huhn und daun das Ei
Oder umgekehret,
Uns ist Alles einerlei,
Wie's der Herr bescheeret.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Die in Seide, die in Flachs,
Hold sind uns die Dirnen,
Unsre Herzen sind von Wachs,
Ehern unsre Stirnen.
Statt daß wir am Rosenkranz
Paternoster plappern,
Springen wir im Ridewanz,
Und die Würfel klappern.
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Fürchten Tod und Teufel nit,
Wissen ihn zu bannen,
Fahrender Schüler Schritt und Tritt
Führt zu Krug und Kannen.
Wir sind geistlich, fromme Kind,
Arme, tumbe Knaben,
Wenn wir erst mal Bischof sind,
Woll'n wir's besser haben,
  Rillus Rallus
  Prillus Prallus
  Hier herein und da hinaus,
  Schlagt dem Faß den Boden aus!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Lass mich dir sagen [sung text not yet checked]

Laß mich dir sagen, laß mich dir singen,
Daß ich dich liebe, du herzige Maid,
Ach! mich umsauset ein Schwingen und Klingen,
Herz will mir springen,
Weiß nicht, vor Glück oder Leid.

Wenn ich dich sehe, nahe und ferne,
Geht mit mir Alles auf Erden rundum,
Daß meinen Namen ich gerne verlerne,
Himmlische Sterne,
Tanzet um's Liebchen herum!

Habe geschworen mit Weinen und Lachen:
Mein muß sie werden, und mein wird sie doch!
Und ob dich Riesen und Drachen bewachen,
Auch aus dem Rachen
Riß' ich der Hölle dich noch.

Sieh! und da bin ich; nun will ich dich drücken,
Drücken dich fest an die klopfende Brust,
Laß dich von Liebesentzücken berücken,
Ging auch in Stücken
Welt vor der ewigen Lust!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Wenn der Stern über'm Kirchthurm steht [sung text not yet checked]

Wenn der Stern überm Kirchthurm steht
  Mitten in der Nacht,
Weiß ich, wo der Weg hingeht
  Mitten in der Nacht.
Mägdlein, das wartet mein,
Wartet mein zum Stelldichein,
  Giebt mir in Kauf
Alle seine Lieb' und Huld,
Ach! du liebe Ungeduld!
  Sternlein zieh' auf!


Klingling! ans Fensterlein
  Überm Spalier,
Klettre wie die Katz hinein
  Übers Spalier,
Und in meinem Sinn voraus
Mal' ich mir die Freude aus,
  Freuden zu Hauf,
Lös' ihr alle Zöpfelein,
Nestel' ihr alle Knöpfelein --
  Fensterlein auf!

Im Stübchen mit knapper Noth,
  Warm ist's und nett,
Herzt mich das Mädel halb todt,
  Warm ist's und nett.
Liebchen, sei gut und fromm,
Daß ich zu Athem komm'
  Und mich verschnauf',
Küß' nicht so laut, mit Gunst!
Weckst ja den Nachbar sunst,
  Mägdlein, hör' auf!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "When the star stands above the church tower", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Immer schaust du in die Ferne [sung text not yet checked]

Immer schaust du in die Ferne,
wie die Wolken flieg'n,
wie am Himmel goldne Sterne,
ihre Bahnen zieh'n!

Und die hohen Gipfel locken
dich bergauf, bergab.
Knabe mit den braunen Locken,
nahmst den Wanderstab.

Hat ja nimmer dich gelitten
in des Vaters Haus;
stürmest fort mit raschen Schritten,
an dem Hut den Strauß.

Sprachst zu mir beim Hände drücken:
"Kind, die Welt ist weit!"
und ich gab dir bis zur Brücken,
weinend das Geleit.

Rosen hab' ich dir gebrochen,
wie der Dorn auch sticht,
was beim Abschiek du versprochen,
o vergiß es nicht!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

6. Wirth! hast du nicht ein volles Fass? [sung text not yet checked]

Wirth, hast du nicht ein volles Faß?
Das wollen wir heut anstechen,
Hier unter Bäumen auf grünem Gras
Giebt das ein lustig Zechen.
Der beste Trank, den Einer kennt,
Der wird der gute Wein genennt
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Wo hab' ich denn den Durst nur her?
Er steckt mir in der Kehle,
Und wenn das Trinken Sünde wär',
Bei meiner armen Seele!
Auf Erden ließ' ich's nimmer doch
Und tränk' auch in der Hölle noch,
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Komm, Pfäfflein, komm, du Reitersmann,
Du Waidmann und du Ferge,
Ihr Wegemüden, haltet an!
Hier rinnt ein Quell vom Berge;
Sitzt nieder auf dem grünen Plan,
Ersäuft den Wurm im hohlen Zahn
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Geh' nicht vorüber, Mägdelein,
Du fehlst noch in der Runde,
Es fällt in's Herz wie Sonnenschein
Ein Gruß von rothem Munde;
Komm, jeden Kuß, verschämt und still,
Mit Küssen ich dir vergelten will
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Ho! Spielmann, Spielmann, schnell herbei!
Woher, wohin die Pfade?
Hier lebt sich's lustig, fromm und frei,
Schau' an die Gottesgnade!
Rückt hin, Gesellen, seht! er winkt,
Er kommt, nun lacht und singt und trinkt
  So hier, so da,
So dort, so allenthalben.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Rothhaarig ist mein Schätzelein [sung text not yet checked]

Rothhaarig ist mein Schätzelein,
Rothhaarig wie ein Fuchs,
Und Zähne hat's wie Helfenbein
Und Augen wie ein Luchs.

Und Wangen wie ein Rosenblatt
Und Lippen wie ein Kirsch,
Und wenn es ausgeschlafen hat,
So schreitet's wie ein Hirsch.

Im Köpfchen sitzt ihm ein Kobold,
Ein Grübchen in dem Kinn,
Ein Herzchen hat es klar wie Gold 
Und kreuzfidelen Sinn.

Wie Silberglöcklein spricht's und lacht's,
Wie eine Lerche singt's,
Und tanzen kann's und Knixe macht's,
Und wie ein Heuschreck springt's.

Und lieben thut's mich, Zapperlot! 
Das weiss was Lieben heisst,
Und küsst es mich -- Schockschwerenoth! 
Ich denk' manchmal, es beisst.

Doch weiter kriegt ihr nichts heraus,
Und fragt ihr früh und spat,
Es kratzt mir sonst die Augen aus,
Wenn ich noch mehr verrath.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Ich freu' mich, sprach das Mägdelein [sung text not yet checked]

«Ich freu mich, sprach das Mägdelein,
Und will den Sommer fröhlich sein
Und lauter guter Dinge;
Mein Herze ist von Freuden voll,
Daß ich mich wohl gehaben soll
Mit einem Edelinge.

Lieb Tochter, war der Mutter Rath,
Der Knabe sich vermessen hat,
Er hat dich hintergangen.
Die Rosen haben Dornen all,
Wenn er dir zuwirft seinen Ball,
So sollst du ihn nit fangen.

Frau Mutter, laßt die Rosen stehn,
Ich will zu meinem Buhlen gehn
Und weiß ihn wohl zu finden;
Es klingt sein Lied wie keins im Land,
Er fängt mich höflich bei der Hand
Im Reien an der Linden.

Lieb Kind, nimm dir des Meiers Sohn,
Deß Liedel geht aus anderm Ton,
Er hat die Truh voll Gulden;
Dein Vater bläst das Jägerhorn,
Ich hab im Haus nicht Flachs, nicht Korn,
Der Ritter hat nur Schulden.

Den Dorfknab mag ich nimmer ha'n,
Der Ritter hat mir's angethan,
Verguldt sind seine Sporen,
Mein Freundschaft und mein Heimlichkeit
Gehören ihm in Ewigkeit,
Ihm hab ich mich verschworen. --

O weh, ihr Rosen, welk und blaß,
Wie wurdet ihr von Thränen naß,
Wie seid ihr nun verzaget.
Auf einem Grabe ganz allein
Da sitzt ein kleines Vögelein
Zur Winterszeit und klaget.»

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

9. Nun will ich mit dem reinsten Klang [sung text not yet checked]

Nun will ich mit dem reinsten Klang
Mein Saitenspiel wohl rühren,
Nun soll sich meines Liedes Sang
Die höchste Wette küren,
Daß Aller Augen auf mich schau'n,
Wenn ich die Kunst erprobe
Euch holden Mädchen, schönen Frau'n
Zu Liebe und zu Lobe.

Gegrüßet seid mit allem Preis,
Ihr Zarten, Süßen, Losen,
Ihr stolzen, schlanken Lilien weiß
Und ihr, ihr rothen Rosen!
Ihr aller Schuld ein Schirm und Dach,
Ein Schild vor allem Leide,
Voll milder Güte ein klarer Bach,
Eine schimmernde Augenweide.

Ihr seid ein edler Würzewein,
Der Liebe Ingesiegel,
Voll süßer Lust ein goldner Schrein,
Der Treue starker Riegel.
Wenn ihr euch lieb und hold mir neigt
Mit eurem Gruß und Segen,
Mir's wunniglich zu Herzen steigt
Wie duftiger Maienregen.

Und lächelt mir eu'r rother Mund,
So bin ich schon eu'r eigen,
Und was mir blüht auf Herzensgrund,
Das kann ich nicht verschweigen;
Minniglich will ich sel'ger Mann
Euch in die Augen schauen,
So lang' ich singen und sagen kann,
Will ich lieben und loben die Frauen.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Now I shall with the purest tones", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Zwei Sterne machen mich jung und alt [sung text not yet checked]

Zwei Sterne machen mich jung lind alt
Und haben über mich alle Gewalt
Mit ihrem Blitzen und Blinken;
Ich weiß auch einen rothen Mund,
Ach! daran könnt' ich mich gesund
Von allen Schmerzen trinken.
Doch Eine geht dahin und lacht
Und will mich nicht verstehen,
Wie der Sommer in seiner Pracht
Nichts weiß von des Winters Wehen.

Die Vöglein singen das alte Lied,
Daß nie von Leide sich Liebe schied,
Ich schweige in sehnenden Aengsten.
Ich wollte, es käme im Abendroth
Den Weg mir entgegen der bleiche Tod
Und spräche: Nun littst du am längsten!
Wohl mag sich freuen am Sonnenstrahl
Der Frohe auf Bergesgipfel,
Ich liege klagend im schattigen Thal,
Und oben glänzen die Wipfel.

Eingetaucht in Schmerz und Wehmuth
War das Lied; Regina fühlte
Ieden Ton in ihrer Seele
Wiederhallen, alle Saiten
Ihres Innern mächtig schwingen;
Zu dem traumgewiegten Herzen
Flüsterten von Huld und Mitleid
Schmeichelnd die erregten Sinne.
Und als hätt' er das errathen,
Ließ es jetzt wie Siegesjubel
Hunold von den Strängen rauschen
Und dazu ein innig Werben,
Süß wie Minnedank, ertönen.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Steige auf, du goldne Sonne [sung text not yet checked]

Steige auf, du goldne Sonne,
Aus der sturmdurchrauschten Fluth,
Lodre, heiße Liebeswonne,
Brich hervor, verhaltne Gluth!
Ohne Wanken, ohne Schwanken
Eine Lust nur und ein Leid
Wohnt in Wünschen und Gedanken
Und nur eine Seligkeit.

Was auf Erden lebt und webet,
Und was wandelt durch den Raum,
Was die Welle senkt und hebet,
Und was singt und klingt im Traum,
Alles Wehen, alles Stehen
In des Lebens großem Haus,
Alles Werden und Vergehen
Haucht der Liebe Athem aus.

Soll ich leben, muß ich lieben,
Und, Geliebte, höre mich:
Lieber aus der Welt vertrieben,
Als darin sein ohne dich!
Wie aus Bahnen laß mich ahnen
Aus den Augen mein Geschick,
Wie der Liebe leises Mahnen
Dulde meinen stummen Blick.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Die rothe Rose auf grüner Haid' [sung text not yet checked]

[Du]1 rote Rose auf grüner Heid',
Wer hieß dich blühn?
Du heißes Herz in tiefem Leid,
Was will dein Glühn?
Es braust der Sturm vom Berg herab,
Dich knickt er um;
Es gräbt die Liebe ein stilles Grab,
Du bist dann stumm.

Denk nicht an Tod, an Leben denk
In Lieb und Lust,
Dich selber wirf als dein Geschenk
An meine Brust.
Ich weiß es ja, daß du mich liebst
In Überfluß,
O Seligkeit! wenn du mir giebst
Den ersten Kuß.

Geschrieben steht am Sternenzelt,
Du wärest mein;
Was fragt die Liebe nach der Welt
Und ihrem Schein?
Um meinen Nacken schling den Arm,
Preß Mund auf Mund,
Ruhst anders nicht so süß und warm
Im weiten Rund.

Versink, vergiß im Wonnerausch
Der Erde Zeit,
Giebst für den Augenblick in Tausch
Die Ewigkeit.
Komm! daß du meine Sehnsucht stillst,
O Königin!
Und wenn du meine Seele willst,
So nimm sie hin!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Scherff: "Die"; further changes may exist not noted.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]