Vier Lieder aus "Der Rattenfänger von Hameln" und "Der wilde Jäger" von Julius Wolff

Song Cycle by Paul Schumacher

Word count: 395

1. Der Zaunpfahl trug ein Hütlein weiss [sung text not yet checked]

Der Zaunpfahl trug ein Hütlein weiß,
Die Sonn' hat's ihm genommen,
Nach Lichtmeß traut kein Fuchs dem Eis,
Der Frühling ist gekommen.

Voll Blüthen steht der Dornenstrauch,
Laut summt es in der Linde,
Und Rosenduft und Aehrenrauch
Ziehn mit dem Abendwinde.

Wird schon im Feld das Korn gemäht,
Darfst du nach Früchten greifen,
Doch was nur selbst, mein Herz, gesät,
Das laß du ruhig reifen. 

Es ist und bleibt doch immerdar
Ein Kommen und ein Wandern
Von einem Jahr zum andern Jahr,
Von einem Tag zum andern.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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2. Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg' [sung text not yet checked]

Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg',
Und wenn mit des Kaisers Schwert ich schlüg',
Ich wüßt' eine Wundermäre;
Ich spräche wohl heilig mein Herzenslieb
Und schlüge zum Ritter den Tugenddieb,
Wenn ich und kein Andrer es wäre.

Komm, komm, viellieber Geselle mein,
Du wilder Falke, kehr' ein, kehr' ein!
Ich weiß einen Himmel auf Erden;
Und wenn du auch noch kein Ritter bist,
Und wenn auch dein Lieb keine Heilige ist,
Da können wir selig werden.

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3. Ein lustig Vierblatt war einmal [sung text not yet checked]

Ein lustig Vierblatt war einmal
Von Frohen, Wohlgemuthen,
Sie zogen über Berg und Thal
Und wanderten und ruhten.
Der Eine, der hieß Dürstemund
Und Lachemund sein Schätzchen,
Der Andere hieß Singemund
Und Küssemund sein Kätzchen.

Wenn Singemund ein Liedel sang,
Saß Küssemund daneben;
Wenn Dürstemund das Krügel schwang,
Ließ Lachemund ihn leben;
Wenn Küssemund das Mäulchen blies,
Thät Singemund schon winken;
Wenn Lachemund die Perlen wies,
Konnt' Dürstemund nicht trinken.

Und manchesmal von ungefähr
Gab's wunderbare Irrung,
Aus Rand und Band, die Kreuz und Quer
Kam Alles in Verwirrung,
Daß Singemund und Lachemund
Sich nicht zu scheiden wußten
Und Dürstemund und Küssemund
Die Flammen löschen mußten.

Es kam auch vor, daß Singemund
Ein Dürsten wohl verspürte,
Und daß gar lieblich Dürstemund
Ein Singen auch vollführte,
Und dann geschah's, daß ihm zu lieb
Lachmund ans Küssen dachte
Und Küssemund nichts übrig blieb,
Als daß sie saß und lachte. 

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4. Es wartet ein bleiches Jungfräulein [sung text not yet checked]

Es wartet ein bleiches Jungfräulein
Den Tag und die dunkle Nacht allein
Auf ihren Herzliebsten am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Sie spricht: Und wenn ich hier Wurzeln schlag
Und warten soll bis zum jüngsten Tag,
Ich warte auf ihn am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
Und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
Ein Blümelein sprießet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
Der Herbstwind über die Haide [weht]1,
Das Blümlein wartet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

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Confirmed with Der Wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1879, pages 65-66.

1 Reinecke : “geht” (might be a typo; check Reinecke score)

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]