Fünf Lieder aus "Der wilde Jäger" von Julius Wolff

Song Cycle by Paul Umlauft (1853 - 1934)

Word count: 441

1. Der Zaunpfahl trug ein Hütlein weiss  [sung text not yet checked]

Der Zaunpfahl trug ein Hütlein weiß,
Die Sonn' hat's ihm genommen,
Nach Lichtmeß traut kein Fuchs dem Eis,
Der Frühling ist gekommen.

Voll Blüthen steht der Dornenstrauch,
Laut summt es in der Linde,
Und Rosenduft und Aehrenrauch
Ziehn mit dem Abendwinde.

Wird schon im Feld das Korn gemäht,
Darfst du nach Früchten greifen,
Doch was nur selbst, mein Herz, gesät,
Das laß du ruhig reifen. 

Es ist und bleibt doch immerdar
Ein Kommen und ein Wandern
Von einem Jahr zum andern Jahr,
Von einem Tag zum andern.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Es wartet ein bleiches Jungfräulein  [sung text not yet checked]

Es wartet ein bleiches Jungfräulein
Den Tag und die dunkle Nacht allein
Auf ihren Herzliebsten am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Sie spricht: Und wenn ich hier Wurzeln schlag
Und warten soll bis zum jüngsten Tag,
Ich warte auf ihn am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Vergessen hat sie der wilde Knab',
Und wo sie gewartet, da fand sie ihr Grab,
Ein Blümelein sprießet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

Der Sommer kommt und der Sommer geht,
Der Herbstwind über die Haide [weht]1,
Das Blümlein wartet am Wege,
    Wegewart! Wegewart!

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Confirmed with Der Wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1879, pages 65-66.

1 Reinecke : “geht” (might be a typo; check Reinecke score)

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Ich ging im Wald durch Kraut und Gras [sung text not yet checked]

Ich ging im Wald 
Durch [Kraut]1 und Gras
Und dachte dies
Und dachte das,
Da hört' ich es kommen und gehn, --
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger gesehn.

Hab' mich geduckt,
Durch's Laub gespäht
Und wollte fort,
Da war's zu spät,
Sein Hündlein kam spürend getrappt,
Husch! husch!
Hinter'm Busch,
Da hat mich ein Jäger ertappt.

[Er frug, warum
Ich mich versteckt,
Ob er mir Furcht 
Und Angst erweckt]2,
Ich sagte: O, dass ich nicht wüsst'!
Husch! husch!
Hinter'm Busch --
[Husch! hat]3 mich ein Jäger geküsst.

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1 Oehme: "Laub"; further changes may exist not shown above.
2 Greger: "Er fragte, ob / Er mich erschreckt, / Ob er mir Angst / Und Furcht erweckt."
3 Greger: "Da hat"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Im Grase thaut's [sung text not yet checked]

Im Grase thaut's, die Blumen träumen 
Von ihrem bunten Honigdieb,
Und oben flüstert's in den Bäumen:
Schläfst du? schläfst du, mein trautes Lieb? 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.
 
Ein Aestlein wankt mit leisem Wiegen,
In dunkler Blätterheimlichkeit
Regt sich, ein Kosen, Schweben, Schmiegen: 
Dir treu, dir treu in Ewigkeit! 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

Nun wird es still in Luft und Zweigen,
Ein wonnig Athmen hebt die Brust,
Dich küßt die Nacht mit süßem Schweigen,
Ruh' aus, ruh' aus von Lieb' und Lust,
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Glockenblumen, was läutet ihr? [sung text not yet checked]

Glockenblumen, was läutet ihr?
Wer ist im Walde gestorben?
Oder wißt ihr, daß heimlich hier
Liebe um Liebe geworben?

Wißt ihr's, wohin auf dem einsamen [Gang]1
Schritt und Gedanken mir streben?
[Glocken]2, ich höre nicht euren Klang,
Seh' euch nur schwingen und schweben.

Lauschenden Blättern denn läutet es aus,
Klinget wie Harfen und Psalmen,
Meldet's im Grünen von Haus zu Haus
Bäumen und Büschen und Halmen.

Liebe macht selig wie nichts in der Welt,
Lachen [könnt']3 ich und weinen,
Glücklichste ich unterm Himmelszelt,
Blumen, -- ich liebe Einen!

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Confirmed with Der wilde Jäger. Eine Waidmannsmär von Julius Wolff, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1889, page 67.

1 Greger: "Pfad"
2 Greger: "Blumen"
3 Greger: "möcht'"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]