The LiederNet Archive
WARNING. Not all the material on this website is in the public domain.
It is illegal to copy and distribute our copyright-protected material without permission.
For more information, contact us at the following address:
licenses (AT) lieder (DOT) net

Mädchenblumen

Word count: 394

Song Cycle by Richard Georg Strauss (1864 - 1949)

Not all available information for this cycle is visible. Return to normal display.

1. Kornblumen


Kornblumen nenn ich die Gestalten,
die milden mit den blauen Augen,
die, anspruchslos in stillem Walten,
den Tau des Friedens, den sie saugen
aus ihren eigenen klaren Seelen,
mitteilen allem, dem sie nahen,
bewußtlos der Gefühlsjuwelen,
die sie von Himmelshand empfahn.
Dir wird so wohl in ihrer Nähe,
als gingst du durch ein Saatgefilde,
durch das der Hauch des Abends wehe,
voll frommen Friedens und voll Milde.


2. Mohnblumen


Mohnblumen sind die runden,
rotblutigen gesunden,
die sommersproßgebraunten,
die immer froh gelaunten,
kreuzbraven, kreuzfidelen,
tanznimmermüden Seelen;
die unter'm Lachen weinen
und nur geboren scheinen,
die Kornblumen zu necken,
und dennoch oft verstecken
die weichsten, besten Herzen,
im Schlinggewächs von Scherzen;
die man, weiß Gott, mit Küssen
ersticken würde müssen,
wär' man nicht immer bange,
umarmest du die Range,
sie springt ein voller Brander
aufflammend auseinander.


3. Epheu


Aber Epheu nenn' ich jene Mädchen
mit den sanften Worten,
mit dem Haar, dem schlichten, hellen
um den leis' gewölbten Brau'n,
mit den braunen seelenvollen Rehenaugen,
die in Tränen steh'n so oft,
in ihren Tränen gerade sind unwiderstehlich;
ohne Kraft und Selbstgefühl,
schmucklos mit verborg'ner Blüte,
doch mit unerschöpflich tiefer
treuer inniger Empfindung
können sie mit eigner Triebkraft
nie sich heben aus den Wurzeln,
sind geboren, sich zu ranken
liebend um ein ander Leben:
an der ersten Lieb'umrankung
hängt ihr ganzes Lebensschicksal,
denn sie zählen zu den seltnen Blumen,
die nur einmal blühen.


4. Wasserrose


Kennst du die Blume, die märchenhafte,
sagengefeierte Wasserrose?
Sie wiegt auf ätherischem, schlankem Schafte
das durchsicht'ge Haupt, das farbenlose,
sie blüht auf schilfigem Teich im Haine,
gehütet vom Schwan, der umkreiset sie einsam,
sie erschließt sich nur dem Mondenscheine,
mit dem ihr der silberne Schimmer gemeinsam:
so blüht sie, die zaub'rische Schwester der Sterne,
umschwärmt von der träumerisch dunklen Phaläne,
die am Rande des Teichs sich sehnet von ferne,
und sie nimmer erreicht, wie sehr sie sich sehne.
Wasserrose, so nenn' ich die schlanke,
nachtlock'ge Maid, alabastern von Wangen,
in dem Auge der ahnende tiefe Gedanke,
als sei sie ein Geist und auf Erden gefangen.
Wenn sie spricht, ist's wie silbernes Wogenrauschen,
wenn sie schweigt, ist's die ahnende Stille der Mondnacht;
sie scheint mit den Sternen Blicke zu tauschen,
deren Sprache die gleiche Natur sie gewohnt macht;
du kannst nie ermüden, in's Aug' ihr zu schau'n,
das die seidne, lange Wimper umsäumt hat,
und du glaubst, wie bezaubernd von seligem Grau'n,
was je die Romantik von Elfen geträumt hat.


Gentle Reminder
This website began in 1995 as a personal project, and I have been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your gift is greatly appreciated.
     - Emily Ezust

Browse imslp.org (Petrucci Music Library) for Lieder or choral works