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Zwölf Gedichte aus Friedrich Rückerts Liebesfrühling [nos. 2,4,11 by Clara Schumann; the rest by Robert Schumann]

Word count: 1179

Song Cycle

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1. Der Himmel hat eine Träne geweint


Der Himmel hat eine Thräne geweint,
Die hat sich in's Meer zu verlieren gemeint.
Die Muschel kam und schloß sie ein:
Du sollst nun meine Perle sein.
Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn' in meiner Brust!
Gieb, Himmel, daß ich in reinem Gemüthe
Den reinsten deiner Tropfen hüte.


2. Er ist gekommen in Sturm und Regen


Er ist gekommen
In Sturm und Regen,
Ihm schlug beklommen 
Mein Herz entgegen.
Wie konnt' ich ahnen, 
Daß seine Bahnen
Sich einen sollten meinen Wegen?

Er ist gekommen 
In Sturm und Regen,
Er hat genommen 
Mein Herz verwegen.
Nahm er das meine? 
Nahm ich das seine?
Die beiden kamen sich entgegen.

Er ist gekommen 
In Sturm und Regen.
Nun ist [entglommen]1 
Des Frühlings Segen.
Der Freund zieht weiter, 
Ich seh' es heiter,
Denn [er bleibt mein]2 auf allen Wegen.


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Note: this poem appears in collections in different places: Zweiter Strauß, Geschieden, no. 3 (and sometimes 7); and Erster Strauss, no. 35.
1 C. Schumann: "gekommen"
2 Franz: "mein bleibt er"

3. O ihr Herren


O ihr Herren, o ihr werten
großen reichen Herren all!
Braucht in euren schönen Gärten
ihr denn keine Nachtigall?

Hier ist eine, die ein stilles
Plätzchen sucht die Welt entlang.
Räumt mir eines ein, ich will es
euch bezahlen mit Gesang.


4. Liebst du um Schönheit


Liebst du um Schönheit,
O nicht mich liebe! 
Liebe die Sonne,
Sie trägt ein gold'nes Haar!

Liebst du um Jugend,
O nicht mich liebe!
Liebe den Frühling,
Der jung ist jedes Jahr! 

Liebst du um Schätze,
O nicht mich liebe. 
Liebe die Meerfrau,
[Die]1 hat viel Perlen klar.

Liebst du um Liebe,
O ja, mich liebe!
Liebe mich immer, 
Dich lieb' ich immerdar.


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Confirmed with Liebesfühling, Vierter Strauss: Wiedergewonnen, Elfte Auflage. Frankfurt am Main: J. D. Sauerländer's Verlag, 1880, page 218.

1 Mahler, C. Schumann: "Sie"

5. Ich hab' in mich gesogen


Ich hab' in mich gesogen
Den Frühling treu und lieb,
Daß er, der Welt entflogen,
Hier in der Brust mir blieb.

Hier sind die blauen Lüfte,
Hier sind die grünen Aun,
Die Blumen hier, die Düfte,
Der blühnde Rosenzaun.

[Und hier am Busen lehnet
Mit süßem Liebesach,
Die Liebste, die sich sehnet
Den Frühlingswonnen nach.]1

Sie lehnt sich an, zu lauschen,
Und hört in stiller Lust
Die Frühlingsströme rauschen
In ihres Dichters Brust.

Da quellen auf die Lieder
Und strömen über sie
Den [vollen]2 Frühling nieder,
Den mir der Gott verlieh.

Und wie sie, davon trunken,
Umblicket rings im Raum,
[Blüht auch]3 von ihren Funken
Die Welt, ein Frühlingstraum.


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Confirmed with Gesammelte Gedichte von Friedrich Rückert. Mit Königl. Würtembergischem Privilegium gegen den Nachdruck. Erlangen Verlag von Carl Heyder. 1834, page 191; and with Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1823. Neue Folge, fünfter Jahrgang. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1823, pages 301-302.

1 Rückert (Urania 1823):
Die Liebste, die sich sehnet,
Den Frühlingswonnen nach,
An meinem Busen lehnet
Mit süßem Liebesach.
2 Schumann: "vollsten"
3 Rückert (Urania 1823): "Erblüht"

6. Liebste, was kann denn uns scheiden?


[Liebste, was kann denn uns]1 scheiden?
Kann's das Meiden?
Kann uns Meiden scheiden? Nein. 
Ob wir uns zu sehn vermieden,
Ungeschieden 
Wollen wir im Herzen sein.
Mein und dein,
Dein und mein
Wollen wir, o [Liebste]2, sein.

Liebste, was kann denn uns scheiden?
Wald und Haiden?
Kann die Fern' uns scheiden? Nein. 
Unsre Lieb' ist nicht hienieden,
Ungeschieden
Wollen wir im Himmel sein.
Mein und dein, 
Dein und mein
Wollen wir, o [Liebste]2, sein.

Liebste, was kann denn uns scheiden?
Glück und Leiden?
Kann uns beides scheiden? Nein. 
Sei mir Glück, sei Weh beschieden,
Ungeschieden
Soll mein Los von deinem sein.
Mein und dein,
Dein und mein,
Wollen wir, o [Liebste]2 sein.

Liebste, was kann denn uns scheiden?
Haß und Neiden?
Kann die Welt uns scheiden? Nein. 
Niemand störe deinen Frieden,
Ungeschieden 
Wollen wir auf ewig sein.
Mein und dein, 
Dein und mein,
Wollen wir, o [Liebste]2, sein.


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1 Fröhlich: "Liebster, was kann uns denn" ; Reissiger: "Lieber, was kann uns denn"; further changes may exist not noted (for both).
2 Schumann: can also be "Liebster"

7. Schön ist das Fest des Lenzes


Schön ist das Fest des Lenzes,
Doch währt es nur der Tage drei.
Hast du ein Lieb', [bekränz']1 es
Mit Rosen, eh' sie geh'n vorbei!

Hast du ein Glas, kredenz' es,
O Schenk, und singe mir dabei:
Schön ist das Fest des Lenzes,
Doch währt es nur der Tage drei.


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1 Hauptmann: "so kränz' "

8. Flügel! Flügel! um zu fliegen


Flügel! Flügel! um zu fliegen
Über Berg und Tal.
Flügel, um mein Herz zu wiegen
Auf des Morgens Strahl.

Flügel, übers Meer zu schweben
Mit dem Morgenrot,
Flügel, Flügel über's Leben,
Über Grab und Tod.

Flügel, wie [die]1 Jugend hatte,
Da sie mir entflog,
Flügel, wie des Glückes [Schatte]2,
Der mein Herz betrog!

Flügel, nachzuflieh'n den Tagen,
Die vorüber sind,
Flügel, Freuden einzujagen,
Die entfloh'n im Wind.

Flügel, gleich den Nachtigallen,
Wann die Rosen [flieh'n]3,
Aus dem Land, wo Nebel wallen,
Ihnen nachzuzieh'n.

Ach! von dem Verbannungsstrande,
Wo kein Nachen winkt,
Flügel nach dem Heimatlande,
Wo die Krone blinkt!

Freiheit, wie zum Schmetterlinge
Raupenleben reift,
[Wann]4 sich dehnt des Geistes Schwinge
Und die Hüll entstreift!

Oft in stillen Mitternächten
Fühl' ich mich empor
Flügeln von des Traumes Mächten
Zu dem Sternentor.

Doch gewachsenes Gefieder
In der Nächte Duft,
Mir entträufeln seh' ich's wieder
An des Morgens Luft.

Sonnenbrand den Fittich schmelzet,
Ikar stürzt in's Meer,
Und der Sinne Brausen wälzet
Über'm Geist sich her.


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1 Schumann: "sie"
2 Schumann: "Schatten"
3 Schumann: "blühn"
4 Schumann: "Wenn"

9. Rose, Meer und Sonne


Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Aller Glanz, ergossen,
Aller Tau der Frühlingsflur
Liegt vereint beschlossen
In dem Kelch der Rose nur.

Alle Farben ringen,
[Alle Düft']1 im Lenzgefild',
Um hervorzubringen
Im Verein der Rose Bild.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Ströme haben
Ihren Lauf auf Erden bloß,
Um sich zu begraben
Sehnend in des Meeres Schoß.

Alle Quellen fließen 
In den unerschöpften Grund,
Einen Kreis zu schließen
Um der Erde blüh'ndes Rund.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Stern' in Lüften
Sind ein Liebesblick der Nacht,
In des Morgens Düften
Sterbend, wann der Tag erwacht.

Alle Weltenflammen,
Der zerstreute Himmelsglanz,
Fließen hell zusammen
In der Sonne Strahlenkranz.

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.


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1 Schumann: "Aller Duft"

10. O Sonn', O Meer', O Rose!


O Sonn', o Meer, o Rose!
Wie wenn die Sonne triumphierend sich
Hebt über Sterne, die am Himmel stunden,
Ein Schimmer nach dem andern leis' erblich,
Bis alle sind in einen Glanz geschwunden;
So hab' ich, Liebste, dich
Gefunden:
Du kamst, da war, was je mein Herz empfunden,
Geschwunden
In dich.

O Sonn', o Meer, o Rose!
Wie wenn des Meeres Arme aufthun sich
Den Strömen, die nach ihnen sich gewunden,
Hinein sich diese stürzen brünstiglich,
Bis sie die Ruh im tiefen Schooß gefunden;
So, Liebste, hab' ich dich
Empfunden:
Sich hat mein Herz mit allen Sehnsuchtswunden
Entbunden
In dich.

O Sonn', o Meer, o Rose!
Wie wenn im Frühling tausendfältig sich
Ein buntes Grün hat ringend losgewunden,
Ein hadernd Volk, bis Rose, königlich
Eintretend, es zum Kranz um sich verbunden;
So, Liebste, hab' ich dich
Umwunden:
Der Kranz des Daseyns muss sich blühend runden,
Gebunden
In dich.


11. Warum willst du and're fragen


Warum willst du and're fragen,
Die's nicht meinen treu mit dir?
Glaube nicht, als was dir sagen
Diese beiden Augen hier!

Glaube nicht den fremden Leuten,
Glaube nicht dem eignen Wahn;
Nicht mein Tun auch sollst du deuten,
Sondern sieh die Augen an!

Schweigt die Lippe deinen Fragen,
Oder zeugt sie gegen mich?
Was auch meine Lippen sagen,
Sieh mein Aug', ich liebe dich!


12. So wahr die Sonne scheinet


So wahr die Sonne scheinet,
So wahr die Wolke weinet1,
So wahr die Flamme sprüht,
So wahr der Frühling blüht;
So wahr hab' ich empfunden,
Wie ich dich halt' umwunden:
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.

Die Sonne mag verscheinen,
Die Wolke nicht mehr weinen,
Die Flamme mag versprühn,
Der Frühling nicht mehr blühn!
Wir wollen uns umwinden
Und immer so empfinden;
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.


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1 In op. 101-8 Schumann has exchanged the first four lines thus:
So wahr die Sonne scheinet,
So wahr die Flamme sprüht,
So wahr die Wolke weinet,
So wahr der Frühling blüht;

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     - Emily Ezust

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