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Rokoko-Suite

Word count: 880

Song Cycle by Hermann Karl Josef Zilcher (1881 - 1948)

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1. Ouverture: An den Menschen


Freue dich, denn dich zu freuen, 
Menschenkind, ist dein Beruf! 
Freue dich! Du sollst dich freuen! 
Das will der, der dich erschuf!

Über dir am blauen Himmel 
siehst du seine Sternensaat! 
Voll von fröhlichem Gewimmel 
siehst du seinen ganzen Staat!

[ ... ]

2. Musette: Der Frühling


Erhebt die Häupter froh, ihr Brüder! 
Es kehrt der junge Frühling wieder 
und ist mit Rosen schön bekränzt. 
Dort seh ich ihn die Flur durchziehen, 
dort, wo der Bäume Wipfel blühen 
und alles voller Veilchen glänzt. 
Verlasst der finstren Stadt Getümmel,
dort labt uns ein entwölkter Himmel, 
wo alles voller Veilchen glänzt. 
Der holde Freund der Zärtlichkeiten, 
Cytherens Sohn, wird uns begleiten, 
und ist mit Rosen schön bekränzt.


3. Sarabande: Abendständchen


[Hör]1 es klagt die Flöte wieder
Und die kühlen [Brunnen]2 rauschen,
Golden wehn die Töne nieder,
Stille, [stille]3, laß uns lauschen!

Holdes Bitten, mild Verlangen,
[Wie es süß zum Herzen spricht]4!
Durch die Nacht die mich umfangen,
Blickt zu mir der Töne Licht.


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1 Brandts-Buys: "Horch"
2 Louis Ferdinand: "Bronnen"
3 omitted by Brandts-Buys.
4 Brandts-Buys: "Wie so süß zum Herzen es spricht!"

4. Air: Die Nacht


Willkommen, angenehme Nacht!
Verhüll' in deine Schatten
Die Freuden, die sich gatten,
Und blende, blende den Verdacht!
Wann treue Liebe küssen macht;
So wird der Kuß der Liebe,
So werden ihre Triebe
Beglückter durch die stille Nacht.

Der schöne Mund, den man verehrt,
Bestrafet, zürnt gelinder,
Wird zärtlich, küßt geschwinder,
Wann nichts die sichern Küsse stört.
Ja, ja! die Nacht ist vorzugswerth:
Sie dient, und ist verschwiegen,
Und liefert dem Vergnügen
Den süßen Mund, den man verehrt.

Der Tag hat, als ein falscher Freund,
Zu oft der Welt erzählet,
Was ihr die Nacht verhehlet,
Die Liebende nach Wunsch vereint.
Du bist der Sorg' und Unruh' feind
Und gönnest sie dem Tage,
Und widerlegst die Sage:
Du, holde Nacht, seist Niemands Freund.

[ ... ]

5. Fuga burlesca: Die Alte


Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Bestand noch Recht und Billigkeit.
Da wurden auch aus Kindern Leute,
Aus tugendhaften Mädchen Bräute;
Doch alles mit Bescheidenheit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Es ward kein Jüngling zum Verräter,
Und unsre Jungfern freiten später,
Sie reizten nicht der Mütter Neid.
O gute, Zeit, o gute Zeit!

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Befliß man sich der Heimlichkeit.
Genoß der Jüngling ein Vergnügen,
So war er dankbar und verschwiegen;
Doch jetzt entdeckt er's ungescheut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
Die Regung mütterlicher Triebe,
Der Vorwitz und der Geist der Liebe
Fährt jetzt oft schon in's Flügelkleid.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
ward Pflicht und Ordnung nicht entweiht.
Der Mann ward, wie es sich gebühret,
Von einer lieben Frau regieret,
Trotz seiner stolzen Männlichkeit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Die Fromme herrschte nur gelinder,
Uns blieb der Hut und ihm die Kinder;
Das war die Mode weit und breit.
O gute Zeit, o gute Zeit!

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
war noch in Ehen Einigkeit.
Jetzt darf der Mann uns fast gebieten,
Uns widersprechen und uns hüten,
Wo man mit Freunden sich erfreut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
Mit dieser Neuerung im Lande,
Mit diesem Fluch im Ehestande
Hat ein Komet uns längst bedräut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!


6. Gigue: Mailied


Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne! 
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch,

Und Freud und Wonne 
Aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb', o Liebe! 
So golden schön,
Wie Morgenwolken 
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich 
Das frische Feld,
Im Blütendampfe 
Die [volle]1 Welt.

O [Mädchen, Mädchen]2, 
Wie lieb ich dich!
Wie [blickt]3 dein Auge, 
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen 
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmen Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud und Mut

[Zu]4 neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, 
Wie du mich liebst!


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1 Zilcher: "weite"
2 Zilcher: "Liebster, Liebster"
3 Pfitzner, Mendelssohn-Hensel: "blinkt"
4 Gabler: "in"

7. An den Menschen


Freue dich, denn dich zu freuen, 
Menschenkind, ist dein Beruf! 
Freue dich! Du sollst dich freuen! 
Das will der, der dich erschuf!

Über dir am blauen Himmel 
siehst du seine Sternensaat! 
Voll von fröhlichem Gewimmel 
siehst du seinen ganzen Staat!

Zu des Schöpfers höchstem Ruhme 
blieb kein freudenleerer Raum. 
Freue dich! ruft dir die Blume, 
freue dich! Ruft dir der Baum! 

Freue dich! singt mir die Lerche, 
singt's in Lüften über dir! 
Freude klappern mir die Störche, 
Freude summt die Biene mir! 

Freude ruft dich! Hör', o höre, 
ruft dich in begrüntes Feld!
Ach! Wenn nicht die Freude wär, 
was denn wär's in dieser Welt? Freue dich!


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     - Emily Ezust

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