The LiederNet Archive
WARNING. Not all the material on this website is in the public domain.
It is illegal to copy and distribute our copyright-protected material without permission.
For more information, contact us at the following address:
licenses (AT) lieder (DOT) net

Schmetterlinge

Language: German (Deutsch)

    De Welt is vull Pien
    Un jeder het sien.

Schmetterling, du reizend Ding,
Wie hold du bist.
Heut fand ich dich, ja fand ich dich,
Ich fand dich auf dem Mist.

Schmetterling -- Seele -- Unsterblichkeit --
Bald aus dem dunklen Tal
In Gottes Frieden
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
  
Die Rieseneule Qual
Breitet beschattend die Flügel
Über die Erde,
Über die ganze Erde aus.
Durch die Dämmerung
Schwebt ein weißer Schmetterling:
Was geht mich das Elend an.
  
Über eine Wiege
Gaukelt ein blauer Schmetterling;
Zwei Händchen
Langen ihm nach -- vergebens.
Über eine Wiege
Gaukelt ein blauer Schmetterling;
Kein Patschen rührt sich,
Das Kind ist tot,
Der Sommervogel ruht sich
Auf den geschlossenen Händchen aus.
  
In einer Geisblattlaube
Saßen zwei Liebende.
Zwei bunte Schmetterlinge,
Sich übertaumelnd,
Zogen über sie fort.
In den Himmel?
  
Über ein Schlachtfeld
Flatterte ein Schwalbenschwanz.
Das Blut hielt er für Rosen:
Ach, wie viele schöne rote Rosen
Hat die Erde.
  
Casca stieß zuerst;
Die anderen Mörder schickten
Ihre Dolche
Wettkampfwütend hinterher,
Und Cäsar fiel.
Balgen sich dort Knaben
Um einen Apfel,
Fragte ein Totenkopf
Seinen ihm begegnenden Freund.
Beide flogen belustigt weiter.
  
Keine Hilfe mehr, kein Ausweg,
Keiner, keiner, der ihr liebevoll Trost sprach,
Und das arme Mädel ertränkte sich.
Auf den Wassern,
Emporgetaucht,
Lag das schöne Kind.
Das ist eine Teichlilie, dachte
Über sie weg steuernd
Ein Pfauenauge.
  
Aus einem sonnigen Strandgarten
Verflog sich aufs Meer
Ein Ligusterschwärmer.
Seine Kraft erlahmte,
Er sank:
Daß es auch Unbequemlichkeiten
Im Leben gibt, hätt ich nicht geglaubt.
Und eine Welle
Schlug über ihm zusammen.
  
Ein glückloser deutscher Dichter, 
Den sein Volk abgelehnt,
Ließ sich in der Haide
Auf einem Stein nieder
Und vergrub sein Gesicht in die Hände:
"Es geht nicht mehr,
Es geht wirklich nicht mehr;
Brot brauch ich wie alle andern Menschen."
Ein Zitronenfalter setzte sich
Auf seinen Hut:
Schaff dir doch Flügel an wie ich,
Du dummer Mensch,
Trinke Tau,
Nähre dich mit Blumenstaub, 
Das kostet nichts.
  
Hannibal, einäugig, auf dem Elefanten,
Das Genie.
Über ihn fort hastet
Ein Adonis:
Welch ein gewaltiges Geschöpf,
Sein Fuß tritt die Erde tot.
Er meinte den Elefanten,
Den Punier hatte er übersehen.
  
Nach Walhalla hatte sich
Ein prächtiger Kaisermantel verirrt.
Bald hier, bald dort schmückte er
Das blonde Haar der Heldenbringerinnen.
Dann sog er behaglich
Am Metbecher Odins.
Als aber die Guten anfingen,
Sich untereinander zu boxen,
Riß er entsetzt aus:
Wie? Was? He? Keilerei also auch hier oben?
  
Ein warmer Septembertag. 
In den Sonnenschein hinein haben 
sie ein schwindsüchtiges, todkrankes Mädchen getragen.
   Ihre letzte Stunde schien gekommen.
   Mit geschlossenen Augen 
lag sie, eingehüllt in Decken, 
halbbeschattet von einem Regenschirm, 
in einem Lehnstuhl vor dem Hause.
   Plötzlich klingt ein lustiger Marsch.
   Durch das Städtchen 
ziehen hellblaue Husaren zum Manöver.
   Der junge, rotwangige Rittmeister, 
das Einglas im Auge, 
läßt vor der Schwadron sein Pferd tänzeln. 
Als er die Ärmste erblickt, 
werden seine Züge ernst. 
Mit der Hand winkt er den Trompetern, abzusetzen. 
Auch den beginnenden Gesang 
verhindert er. 
   Die Husaren, wenn sie, 
einer nach dem anderen, 
vorbeikommen, biegen sich im Sattel 
neugierig ein wenig nach der Seite, 
wo die Unglückliche schläft. 
Sie ahnen nicht, 
was es zu sehen gibt. 
Die treuen, frischen, lachenden Gesichter 
verändern sich in herzliches Mitgefühl.
   Ein fuchsroter Falter 
tändelt über die nickenden 
Pferdeköpfe nach dem Siechenlager: 
Die spielt wohl Verstecken hinter ihrem Schirm?
   Erst fern auf der Landstraße 
setzt die Musik wieder ein. 
Ganz schwach klingt sie zurück ins Städtchen. 
Das Mädchen öffnet groß die Augen. 
In den Wolken hört sie Violinen und Flöten. 
Und sie senkt das Haupt und ist bei Gott.


Submitted by Emily Ezust [Administrator]

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

    [ None yet in the database ]

Settings in other languages:

  • Also set in German (Deutsch), [adaptation] by Alexander Zemlinsky, Wim Zwaag.

Text added to the website: 2013-12-14.
Last modified: 2014-06-16 10:05:26
Line count: 137
Word count: 585

Gentle Reminder
This website began in 1995 as a personal project, and I have been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your gift is greatly appreciated.
     - Emily Ezust

Browse imslp.org (Petrucci Music Library) for Lieder or choral works