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An den Mond, in einer Herbstnacht

Language: German (Deutsch)

Freundlich ist dein Antlitz
Sohn des Himmels!
Leis sind deine Tritte
Durch des Aethers Wüste,
Holder Nachtgefährte.

Dein Schimmer ist sanft und erquickend,
Wie das Wort des Trostes
Von des Freundes Lippe,
Wenn an der Seele Kummer
Uns, wie ein Geyer, nagt.

Manche Thräne siehst du,
Siehst so manches Lächeln,
Hörst der Liebe trauliches Geflüster,
Leuchtest ihr auf stillem Pfade;
Hofnung schwebt auf deinem Strahle
Herab zum stillen Dulder,
Der einsam geht auf rauhem Weg.

Du siehst auch meine Freunde,
Zerstreut in fernen Landen;
Du gießest deinen Schimmer
Auch auf die frohen Hügel,
Wo ich als Knabe hüpfte,
Wo oft bei deinem Lächeln
Ein unbekanntes Sehnen
Mein junges Herz ergriff.

Du blickst auch auf die Stäte,
Wo meine Lieben ruhen,
Wo der Thau fällt auf ihr Grab,
Und die Gräser drüber wehen
In dem Abendhauche.

Doch dein Schimmer
Dringt nicht in die dunkle Kammer,
Wo sie ruhen von des Lebens Mühe,
Wo auch ich bald ruhen werde!
Du wirst gehn und wiederkehren,
Und sehn noch manches Lächeln,
Und sehn noch manche Thräne!
Dann werd ich nicht mehr lächeln,
Dann werd ich nicht mehr weinen,
Mein wird man dann nicht mehr gedenken
Auf dieser schönen Erde!


Confirmed with Gedichte von Aloys Schreiber. Düsseldorf, bei J. H. C. Schreiner. 1801, pages 203-204.

This is the first version of Schreiber's poem. For the later version, which, among other small differences, lacks the seventh line of the last stanza, see below.


Submitted by Peter Rastl [Guest Editor]

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

    [ None yet in the database ]

Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Text added to the website: 2017-08-28.
Last modified: 2017-08-28 19:09:57
Line count: 41
Word count: 195

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     - Emily Ezust

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