by Aloys Wilhelm Schreiber (1761 - 1841)

Die stille Welt
Language: German (Deutsch) 
Tief, tief im Menschenherzen,
Nicht mehr erreicht von Schmerzen,
Von wunderbarem Licht erhellt,
Liegt eine innre stille Welt.

Da blühet weltverborgen,  
Bethaut vom Äthermorgen,
Des Edlen Keim im Rosenlicht;
Und Haß und Neid zertritt ihn nicht. 

Da wird euch, Freundschaftsstunden,
Ein ew'ger Kranz gewunden;
Da löst der Ton, den Schmerz erzwang,
Sich auf in Harmoniegesang. 

Gibt dieses Leben Frieden?
Wo blüht ein Glück hienieden?
Wer dich, du innre Welt, nicht kennt,
Ist arm, wie reich man ihn auch nennt. 

O, Welt in meinem Herzen!
Am heissen Tag der Schmerzen
Fand ich die stillverborgne Thür,
Fand ich den leisen Pfad zu dir.  

Wenn nun des Lebens Schwere
Mich drückt, und schreckt die Leere,
Wenn weit umher mir nichts gefällt,
Flieh ich zu dir, o stille Welt! 

Wenn auf des Lebens Höhen
Des Zweifels Stürme wehen,
Und schier an nichts mein Glaube hält,
Flieh ich zu dir, o stille Welt! 

Wenn mir, vom Glück verlassen,
Der Freuden Stern' erblassen,
Wenn manches wankt und manches fällt,
Flieh ich zu dir, o stille Welt! 

Du, die ich in mir trage,
Du Sammlerin der Tage
Die keine Reue mir vergällt,
O, sei mir heilig, stille Welt! 

Confirmed with Isis: Eine Monatschrift von deutschen und schweizerischen Gelehrten, erster Band, Zürich: Orell, Füßli und Comp., 1805, page 96.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull