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Das Werk

Language: German (Deutsch)

Hat Natur, nach ihrem dunklen Walten,
Hier sich Bergreih'n hingezogen, droben
Felsen aufgezackt und gleich daneben
Über Talgestein und Höh'n und Höhlen
Heilig ruhend alten Wald gepfleget,
Daß den unwirtbaren Labyrinthen
Sich der Wand'rer grausend gern entzöge:
Sieh ! da dringt heran des edlen Menschen
Meisterhand; sie darf es unternehmen,
Darf zerstören tausendjähr'ge Schöpfung.
Schallet nun das Beil im tiefsten Walde,
Klingt das Eisen an dem schroffen Felsen,
Und in Stämmen, Splittern, Massen, Trümmern
Liegt zu unbegreiflich neuem Schaffen
Ein Zerstörtes gräßlich durcheinander.
Aber bald dem Winkelmaß, der Schnur nach
Reihen sich die Steine, wachsen höher;
Neue Form entspringt an ihnen, herrlich
Bildet mit der Ordnung sich die Zierde,
Und der alte Stamm, gekantet, fügt sich,
Ruhend bald und bald emporgerichtet,
Einer in den andern. Hohen Giebels
Neuer Kunstwald hebt sich in die Lüfte.
Sieh! Des Meisters Kränze wehen droben,
Jubel schallt ihm, und den Weitbaumeister
Hört man wohl dem irdischen vergleichen.


Zündet das Feuer an!
Feuer ist obenan.
Höchstes, er hat's getan,
Der es geraubt.
Wer es entzündete,
Sich es verbündete,
Schmiedete, ründete
Kronen dem Haupt.

Wasser, es fließe nur!
Fließet es von Natur
Felsenab durch die Flur,
Zieht es auf seine Spur
Menschen und Vieh.
Fische, sie wimmeln da,
Vögel, sie himmeln da,
Ihr' ist die Flut.
Die unbeständige,
Stürmisch lebendige,
Daß der Verständige
Manchmal sie bändige,
Finden wir gut.

Erde, sie steht so fest.
Wie sie sich quälen läßt!
Wie man sie scharrt und plackt!
Wie man sie ritzt und hackt!
Da soll's heraus.

Furchen und Striemen zieh'n
Ihr auf den Rücken hin
Knechte mit Schweißbemüh'n;
Und wo nicht Blumen blüh'n,
Schilt man sie aus.

Ströme du, Luft und Licht,
Weg mir vom Angesicht!
Schürst du das Feuer nicht,
Bist du nichts wert.
Strömst du zum Herd herein,
Sollst du willkommen sein,
Wie sich's gehört.
Dring nur herein ins Haus;
Willst du hernach hinaus,
Bist du verzehrt.

Rasch nur das Werk getan!
Feuer nun flammt's heran,
Feuer schlägt obenan;
Sieht's doch der Vater an,
Der es geraubt.
Der es entzündete,
Sich es verbündete,
Schmiedete, ründete
Kronen dem Haupt.


Submitted by Emily Ezust [Administrator]

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Text added to the website: 2010-02-14.
Last modified: 2014-06-16 10:03:34
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     - Emily Ezust

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