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Der frühe Mond

Language: German (Deutsch)

Noch ist die Nacht nicht eingeläutet,
Noch kehrt vom Feld der Schnitter nicht,
Und auf den Bergen ausgebreitet
Ist noch des Himmels Sonnenlicht;
Und doch ist schon der Mond zur Stelle,
Blickt bleich hernieder in den Tag,
Daß ihn des Baches Spiegelhelle
Kaum flüchtig wiederstrahlen mag.

Du bist zu zeitig heut' gekommen,
Du lieber Mond, und d'rum so bleich!
Du hast im Lauf dich übernommen
Und denkst, die Sterne kämen gleich?
O sieh der Wälder stolzes Prangen,
Des Himmels Blau, die Wiesenflur,
Die Blumen mit den vollen Wangen,
Sie spotten deiner Blässe nur.

Doch laß dich nicht den Spott verdrießen,
Denn wenn die Blumen schlummern ein,
Die stolzen Wälder schlafen müssen,
Dann schwillt und wächst dein Silberschein.
Die Welle, die mit Widerstreben
Jetzt wiederstrahlt dein bleiches Bild,
Wird dir mit Lust entgegenbeben,
Wenn sich vor ihr dein Glanz enthüllt.


Submitted by Sharon Krebs [Guest Editor]

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Text added to the website: 2011-08-29.
Last modified: 2014-06-16 10:04:32
Line count: 24
Word count: 139

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     - Emily Ezust

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