by Karl Johann Philipp Spitta (1801 - 1859)

Frühlingswunder
Language: German (Deutsch) 
Sieh', der Winter ist gegangen,
Schnee und Regen ist vorbei; 
Leben, das der Tod gefangen,
Bricht die Bande und wird frei.
Aller Orten regt sich mächtig,
Was des Winters Schlaf gedrückt,
O, und bald steht Alles prächtig,
Frühlingsmäßig ausgeschmückt.

Seinem Odem läßt Gott wallen
Lebenswarm durch Wald und Flur;
Auferweckungsstimmen schallen
In die Gräber der Natur.
Ihre Adern wieder fließen,
Und ihr Antlitz färbt sich schön,
Tausend Lebenskeime sprießen
In den Thälern, auf den Höh'n.

Zarte Blumen öffnen zagend
Hier und da ihr enges Haus,
Strecken ihre Häupter fragend
In die milde Luft hinaus.
Da wird lauter Ruf vernommen,
Sorgenloser Vögel Chor:
Ja, der Frühling ist gekommen,
Kommt, ihr Blumen, kommt hervor!

Überall erschallt es deutlich:
Leben ist vom Tod erwacht!
Und die Erde schmückt sich brauml;utlich,
Und der blaue Himmel lacht.
Komm, dieß Wunder anzusehen,
Freu' dich, Seele, inniglich:
Gott läßt seinen Odem wehen,
Und der Frühling kommt ür dich.  

Confirmed with Psalter und Harfe: zweite Sammlung, dritte Auflage, Leipzig: August Robert Friese, 1845, pages 55 - 56.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull