by Julius Wolff (1834 - 1910)

Der Wald war grün und der Himmel war...
Language: German (Deutsch) 
Der Wald war grün und der Himmel war blau,
Und es blinkte der Thau im Moose; 
Ich hatt' einen Falken, der war mir treu,
Und ein Roß, wie ein Hirsch so wild und scheu,
Und ein Lieb, so schön wie die Rose,
Wie die Rose im Morgenthau.

O Jugendlust und o Reitertanz
In des Maien wonnigen Tagen! 
Wenn der Rappe über die Heide braust,
Dem Falken zu folgen, der von der Faust
Sich schwingt zum fröhlichen Jagen,
Zum Jagen im Sonnenglanz.

Wie roth, Brunhild, deine Wangen sind,
Und wie die Augen dir funkeln,
Wenn du im Sattel des Renners dich wiegst,
Zu mir dich lächelnd herüber biegst
Und dir die Locken, die dunkeln,
Die dunkeln dir flattern im Wind. --

Längst ist er vorüber, der selige Traum,
Wo wir einander geschworen; 
Ich höre nicht mehr des Falken Ruf,
Der Rappe scharrt nicht mehr mit klingendem Huf,
Mein Lieb ist für mich verloren,
Verloren im weiten Raum.

Erst sandt' ich nach ihr den Falken aus,
Der Falke hat sich verflogen,
Dann bin ich ihr selber nachgesetzt,
Bis ich den Rappen zu Tode gehetzt,
Sie war mit dem Andern gezogen,
Gezogen auf's Meer hinaus.

O Falke, kämest doch du nur zurück! 
Du hast ja mein Brod gegessen,
Nun fliege hinüber auch über die See
Und bring' ihr die Botschaft von meinem Weh,
Und daß ich nicht könnte vergessen,
Vergessen sie und mein Glück.

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Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2012-05-09 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:04:54
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