XXXVI Lieder und Rundgesänge für den Männerchor

by Hans Georg Nägeli (1773 - 1836)

Word count: 537

9. Begräbnißlied [sung text checked 1 time]

Ruhe sanft bestattet, 
du von Schmerz ermattet,
allen Kummer tilgt das Grab.
Wir, die letzten Blicke senkend,
steh'n am Rand, und dein gedenkend
streu'n wir Blumen dir hinab.

Wohl dir! Ruh' in Frieden!
Deinen Lauf hienieden
hast du, Guter, wohl gelebt.
Redlich hast du, nach Vermögen,
schnöder Eitelkeit entgegen,
Gottes Licht und Recht erstrebt.

Wohl dir! Ahnde leise,
was im stillen Kreise
du geduldet und getan.
Jetzt am hohen Ziel gewannest
du den Palmkranz, und begannest
dort des höhern Kampfes Bahn.

Aber wir, die Deinen,
steh'n am Grab und weinen,
dass so früh der Gute schied!
Du so liebreich und gesellig, 
du, zu Wort und Tat gefällig,
liegst im Sarge nun verblüht.

Seelenhüll', o werde,
Was du warest, Erde,
Von des Rasens Blumen schön.
In verklärtem Schimmer hebet
Staunend sich der Geist, und schwebet
Engelflug zu Gottes Höhn.

Zwar gen Himmel eilend,
Haucht der Geist, noch weilend,
Tröstung uns, dem Lüftchen gleich:
"Weinet nicht zu sehr, ihr Lieben!
Laßt den Erdenstaub zerstieben;
Dort in Wonn' erwart' ich euch."

Ruhe, Staub bei Staube!
Unsers Freundes Glaube
soll auch uns das Herz erhöh'n.
Tränend scheiden wir von hinnen,
doch wir kommen oft, und sinnen,
ach! Ein frohes Wiederseh'n.

Authorship

Confirmed with Sämtliche Gedichte von Johann Heinrich Voss, vierter Band, Königsberg: Universitäts-Buchhandlung, 1825. Appears in Oden und Lieder, no. 10, pages 77 - 78.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

15. Weihe der Schönheit [sung text checked 1 time]

Die Schönheit ist des Guten Hülle; 
Der Schönheit wollen wir uns freun,
Und bei der schönen Gaben Fülle 
Nicht Menschen nur auch menschlich sein.
  Du, Blume, sollst uns kränzen; 
  Du, edler Wein, uns glänzen! 
Schenk' ein, o Mädchen! Schall', o Chor! 
Das schone Mädchen singt uns vor! 

Ich schenk' in hellgeschlissne Becher
Euch gern den edlen Feiertrank;
Als weise Trinker, nicht als Zecher,
Genießt ihr menschlich mit Gesang.
  Die Seele schweb' erhaben 
  Zum Geber aller Gaben,
Der uns dies schöne Paradies
Mit Menschensinn bewohnen hieß! 

[ ... ]

Die Harmonie gemeßner Rede 
Rief Waldgeschlecht, zu baun das Feld ;
Die Harmonie entschied die Fehde 
Dem Volk, das Dorf und Stadt gesellt. 
  Durch Lieder lehrt' Erfahrung,
  Und Gottes Offenbarung;
In Liedern trug der fromme Chor 
Der Erstlingsopfer Dank empor. 

Der Menschenrede Reiz und Klarheit 
Erhob des Denkers kühnern Flug:
Von Wahrheit flog er auf zu Wahrheit,
Und sah herab auf Wahn und Trug.
  Doch niemals lockt er Hörer,
  Der hohen Weisheit Lehrer;
Ward nicht in schöner Rede Bild
Ihr Götterstrahl sanft eingehüllt? 

[ ... ]

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]