Lied eines Mohren
Language: German (Deutsch) 
Darachna! komm, mein Wunsch, mein Lied!
Darachna, komm! der Tag entflieht.
Wo ist sie, sie mein Wunsch, mein Lied?
Wie kömmts, daß sie verzieht?

Schwarz ist mein Mädchen, wie die Traube,
Die durch die Blätter dieser Laube
Mit süßem Most beladen glänzt.
Süß ist ihr Mund, wie der Geruch der Blume,
Die meine Stirn umkränzt.

Du Quell, der sich durch Goldsand schlängelt,
Rausch mir's herüber, wo sie ist.
Du rauschen Laub in Cederwäldern,
Sag mir es, wo mein Mädchen ist?

Ich harre fühllos, daß der Sand
Die Fersen mir verzehrt, und meine Seufzer wecken
die Tiger dieses Hains, die, durch den Durst entbrannt,
Weh mir! mein Blut von ferne lecken.

O Sonne! wenn auch ihr der Tod
Aus Höhlen oder Wäldern droht!
Wenn eine Schlange sie umflicht,
Ein Krokodill sie hascht, ein Scorpion sie sticht,
Eh treff' ein Donner euch! Scheusale! wagt es nicht.

Mein Herz, mein Herz fleucht ihr entgegen:
Ich will an ihre Brust mich legen,
Das kleinste Röcheln spähn;
Und horchen, wie sie schlägt,
Und forschen, wo der Tod sich regt.

Wie Ambraduft will ich dich, Tod!
Mit jedem Odemzug aus ihren Adern trinken,
Auf ihren matten Busen sinken,
Und mit ihm sterben: - Süßer Tod!

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Confirmed with Sämmltiche poetische Schriften, erster Theil, erste vollständige Ausgabe, Wien: F. A. Schrämbl, 1794, pages 110 - 111. Appears in Kleinere Tändeleien.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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