by Christoph August Tiedge (1752 - 1841)

Tochter Gottes! Licht und Friede
Language: German (Deutsch) 
Tochter Gottes!  Licht und Friede, 
Huld und Menschlichkeit sind dein. 
Wer von dir die Liebe schiede, 
Risse deinen Altar ein.  

Himmlisch bist du, wie die Güte, 
Wenn sie Liebesworte spricht;  
Aufgeschlossen, wie die Blüthe; 
Sanft erquickend, wie das Licht.  

Strahl', aus deiner lichten Sphäre, 
Deines Himmels Wiederschein! 
Menschenseelen sind Altäre, 
Die sich deiner Gottheit weih'n.  

Scheuch' in seine blinde Höhle 
Das Gespenst der Dunkelheit! 
Strahl' in jede Menschenseele 
Lieb' und echte Menschlichkeit!  

Tiefe, blutig tiefe Wunden 
Schlug der Wahn, der Sohn der Nacht. 
Sei auf ewig dann verschwunden 
Das Gebiet der dunkeln Macht!  

Wie beim ersten Feierliede, 
Das die Auferstehung singt, 
Wird es sein, wenn hell der Friede 
Durch den Kampf der Nebel dringt; 

Wenn vom Schönen und vom Guten 
Sich das Herz nicht mehr verirrt; 
Wenn die Menschheit nicht mehr bluten, 
Wenn sich Alles lieben wird;  

Wenn, was Wahn und Trug ersannen, 
Längst verstummt', und nicht mehr gilt; 
Wenn der letzte der Tyrannen 
Seines Wahnes Fluch erfüllt.  

Hülle dann ein tiefer Schleier 
Jede Spur des Jammers ein!  
Aber groß soll deine Feier, 
Lebensauferstehung, sein! 

About the headline (FAQ)

Confirmed with Christoph August Tiedge, Elegieen und vermischte Gedichte, zweites Bändchen, zweite verbesserte Auflage, Halle: in der Rengerschen Buchhandlung, 1814, pages 101 - 103.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2019-08-03 00:00:00
Last modified: 2019-08-03 20:58:48
Line count: 36
Word count: 175