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Romanze

Language: German (Deutsch)

Süße Ahnung dehnt den Busen,
Füllt den Blick mit Thränen mir.
Horch! der Weihgesang der Musen,
Selbst aus Trümmern hallt er hier.
Rauscht melodisch zu uns nieder
Auf des Abends Goldgefieder.

Was einst herrlich sich gestaltet,
Ist es ewig denn dahin?
Gibt es keine Götter? waltet
Nur ein feindlich trüber Sinn
Über Alles hier im Staube?
Blüht es nur der Zeit zum Raube?

Ach! verödet steh'n die Trümmer,
Und kein Jubelton erschallt,
Wo in mildem Rosenschimmer
Einst die Göttinn selbst gewallt,
Amoretten sie umschwirtten,
Täubchen kosend sie umgirrten.

Aber, was in's Leben reifet.
Kann das jemals untergeh'n?
Nein, die Hülle nur entstreifet
Kronos Sichel, und läßt steh'n
Was der Geist dem Geist geboren -
Ewig bleibt es unverloren.

Herrlich tritt der Bau vollendet
Vor des Sängers Weiheblick,
Und wohin er sich auch wendet
Kehrt die alte Pracht zurück.
Und die Charis sieht er wallen
In den wohlbekannten Hallen.

Und er hört die Jubellieder
In der tiefbewegten Brust;
Sieht vor jedem Altar wieder
Kniend fleh'n in Lieb' und Lust,
Einen Himmel her sich neigen,
Wo des Weihrauchs Wolken steigen.

Süße Ahnung dehnt den Busen,
Füllt den Blick mit Thränen mir;
Ja, der Weihgesang der Musen,
Aus den Trümmern hallt er hier.
Rauscht melodisch zu uns nieder
Auf des Abends Goldgefieder.


From Morgenblatt für gebildete Stände (1809), where the song was printed as part of a short story by Giovanni Altieri.

Submitted by Harry Joelson

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Text added to the website: 2007-07-14.
Last modified: 2014-06-16 10:02:25
Line count: 42
Word count: 209

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     - Emily Ezust

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