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Resignation

Language: German (Deutsch)

Auch ich war in Arkadien geboren,
    Auch mir hat die Natur
An meiner Wiege Freude zugeschworen,
Auch ich war in Arkadien geboren,
     Doch Tränen gab der kurze Lenz mir nur.
Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder,
    Mir hat er abgeblüht.
Der stille Gott -- o weinet meine Brüder --
Der stille Gott taucht meine Fackel nieder,
     Und die Erscheinung flieht.
Da steh' ich schon auf deiner finstern Brücke,
    Furchtbare Ewigkeit.
Empfange meinen Vollmachtbrief zum Glücke!
Ich bring' ihn unerbrochen dir zurücke,
     Ich weiß nichts von Glückseligkeit.
Vor deinem Thron erheb' ich meine Klage,
    Verhüllte Richterin.
Auf jenem Stern ging eine frohe Sage,
Du thronest hier mit des Gerichtes Waage
     Und nennest dich Vergelterin.
Hier, spricht man, warten Schrecken auf den Bösen,
    Und Freuden auf den Redlichen.
Des Herzens Krümmen werdest du entblößen,
Der Vorsicht Rätsel werdest du mir lösen,
     Und Rechnung halten mit dem Leidenden.
Hier öffne sich die Heimat dem Verbannten,
    Hier endige des Dulders Dornenbahn.
Ein Götterkind, das sie mir Wahrheit nannten,
Die meisten flohen, wenige nur kannten,
     Hielt meines Lebens raschen Zügel an.
«Ich zahle dir in einem andern Leben,
    Gib deine Jugend mir,
Nichts kann ich dir als diese Weisung geben.»
Ich nahm die Weisung auf das andre Leben,
     Und meiner Jugend Freuden gab ich ihr.
«Gib mir das Weib, so teuer deinem Herzen,
    Gib deine Laura mir.
Jenseits der Gräber wuchern deine Schmerzen.» --
Ich riß sie blutend aus dem wunden Herzen,
     Und weinte laut, und gab sie ihr.
«Die Schuldverschreibung lautet an die Toten»,
    Hohnlächelte die Welt,
«Die Lügnerin, gedrungen von Despoten,
Hat für die Wahrheit Schatten dir geboten,
     Du bist nicht mehr, wenn dieser Schein verfällt.»
Frech witzelte das Schlangenheer der Spötter:
    «Vor einem Wahn, den nur Verjährung weiht,
Erzitterst du? Was sollen deine Götter,
Des kranken Weltplans schlau erdachte Retter,
     Die Menschenwitz des Menschen Notdurft leiht?»
«Was heißt die Zukunft, die uns Gräber decken?
    Die Ewigkeit, mit der du eitel prangst?
Ehrwürdig nur, weil Hüllen sie verstecken,
Der Riesenschatten uns'rer eig'nen Schrecken
     Im hohlen Spiegel der Gewissensangst;»
«Ein Lügenbild lebendiger Gestalten,
    Die Mumie der Zeit
Vom Balsamgeist der Hoffnung in den kalten
Behausungen des Grabes hingehalten,
     Das nennt dein Fieberwahn ? Unsterblichkeit?»
Für Hoffnungen -- Verwesung straft sie Lügen --
    Gabst du gewisse Güter hin?
Sechstausend Jahre hat der Tod geschwiegen,
Kam je ein Leichnam aus der Gruft gestiegen,
     Der Meldung tat von der Vergelterin?» --
Ich sah die Zeit nach deinen Ufern fliegen,
    Die blühende Natur
Blieb hinter ihr, ein welker Leichnam, liegen,
Kein Toter kam aus seiner Gruft gestiegen,
     Und fest vertraut' ich auf den Götterschwur.
All meine Freuden hab' ich dir geschlachtet,
    Jetzt werf' ich mich vor deinen Richterthron.
Der Menge Spott hab' ich beherzt verachtet,
Nur deine Güter hab' ich groß geachtet,
     Vergelterin, ich fodre meinen Lohn.
«Mit gleicher Liebe lieb' ich meine Kinder
    Rief unsichtbar ein Genius.
Zwei Blumen, rief er -- hört es Menschenkinder --
Zwei Blumen blühen für den weisen Finder,
     Sie heißen Hoffnung und Genuß.
Wer dieser Blumen Eine brach, begehre
    Die andre Schwester nicht.
Genieße, wer nicht glauben kann. Die Lehre
Ist ewig wie die Welt. Wer glauben kann, entbehre.
     Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.
Du hast gehofft, dein Lohn ist abgetragen,
    Dein Glaube war dein zugewog'nes Glück.
Du konntest deine Weisen fragen,
Was man von der Minute ausgeschlagen,
     Gibt keine Ewigkeit zurück.»


Submitted by Emily Ezust

Authorship


Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Text added to the website: 2009-06-26.
Last modified: 2014-06-16 10:03:16
Line count: 90
Word count: 544

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     - Emily Ezust

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