by Rudolph Baumbach (1840 - 1905)

Wo der Weg zum Liebchen geht
Language: German (Deutsch) 
Wo der Weg zum Liebchen geht,
Liegt ein alt Gemäuer,
Wenn der Mond am höchsten steht,
Ist's dort nicht geheuer.
Waldfrau sitzt auf einem Stein,
Nickt in stiller Trauer.
Kalt wie Eis durch Mark und Bein
Rieselt mir der Schauer.
    Bis zum ersten Hahnenschrei
    Trägt sich zu so mancherlei,
        Stille!

Weiter geht's. An See und Moor
Flüstern Schilf und Binsen.
Nixenfräulein steigt empor
Aus den Wasserlinsen,
Will mit ihrer Glieder Reiz
Halten mich und bannen,
Doch ich schlage stumm ein Kreuz,
Fahre schnell von dannen.
    Bis zum ersten Hahnenschrei
    Trägt sich zu so mancherlei,
        Stille!

Weh' es kommt der wilde Tross,
Kommt die Jagd die tolle
Und voraus auf schwarzem Ross
Lichtumstrahlt Frau Holle.
Schau' mich nicht so glühend an,
Lockst mich nicht zur Minne,
Lenkst mich nicht aus meiner Bahn,
Schöne Teufelinne!
    Bis zum ersten Hahnenschrei
    Trägt sich zu so mancherlei,
        Stille!

Sicher vor dem Geisterschwarm
Sitz' ich hier im Stübchen,
Schlinge meinen linken Arm
Um mein plaudernd Liebchen.
Dass ich Spuk und Höllenkunst
Siegreich abgeschlagen,
Wird von meiner Holden Gunst
Süssen Lohn mir tragen.
    Bis zum ersten Hahnenschrei
    Trägt sich zu so mancherlei,
        Stille! 

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Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]