by (Johann) Gottlieb Hiller (1778 - 1826)

Ich liebe, kleines Bettchen, dich
Language: German (Deutsch) 
Ich liebe, kleines Bettchen, dich
In dieser ernsten Stille;
Dein weicher Arm umfasse mich,
O sanfte Schlummerhülle!
Ich bin ja von Geschäften los,
Drum will ich jetzt in deinen Schooß
Mit süßem Taumel sinken,
Bis Morgensterne blinken.

Hier soll mein Arm mit frischem Blut
Und junger Kraft sich füllen;
Und wieder froher heitrer Muth
In meinem Busen quillen;
Mir schließen lächelnd Nacht und Ruh
Die halbgetrügten Augen zu,
Und kein geheimer Kummer
Wird stören meinen Schlummer. 

Wohl aber führt ein Zaubertraum,
Von der gemeinen Erde,
Mich hin in einen schönern Raum, 
Wo glücklicher ich werde;
Wo noch die Blumen schöner blühn,
Und wo mit einem frischern Grün
Sich Wald und Wiese kleiden,
Das Auge süß zu weiden.

Dort seh' ich meinen Seladon,
Und Lieb' in seinem Blicke;
Und wandle im Gedanken schon
Mit ihm zum Bundesglücke;
Bald führt er mich der Flur entlang;
Bald ruhn wir auf der Rasenbank,
In brauner Abendröthe,
Beim zarten Laut der Flöte,

O, liebes Bettchen, nimm mich ein;
Sieh', wie mit rascher Freude,
Jetzt bei des Mondes düsterm Schein,
Ich hastig mich entkleide; 
Komm, Schlaf, auf meines Auges Saum,
Komm, lieber holder Zaubertraum,
Kommt beide und verschwindet,
Wenn Tag der Hahn verkündet.

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Confirmed with Gedichte und Leben von Gottlieb Hiller, dritte Ausgabe, Breslau: Wilhelm Gottlieb Korn, 1818. Appears in Dichtungen, pages 115 - 116.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2019-08-03 00:00:00
Last modified: 2019-08-03 09:37:56
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