by Heinrich Stieglitz (1801 - 1849)

An des Mondes lichtem Silberglanze
Language: German (Deutsch) 
An des Mondes lichtem Silberglanze 
Wandl' ich unter meinen Blumen hin, 
Wähle mir die köstlichsten zum Kranze, 
Still zu deuten den verborgnen Sinn.
Wenn ich athmend ihre Düfte sauge, 
Trink' ich jener sel'gen Stunde Gluth,
Da in deinem dunkeln Flammenauge,
Schöner Jüngling, ich zuerst geruht.

[Die Granate seh' ich]1 schwellend glühen, 
Die Narzisse würzt die laue Luft, 
Bunte Tulipanenfelder blühen, 
Und es haucht die Rose süßen Duft.
Doch aus all den Blüthenkelchen sauge
Ich nur immer Eines Namens Klang,
Seit dein Liebe-glühend Flammenauge,
Schöner Jüngling, mir das Herz durchdrang.

Wenn die weichen Lüfte mich umsäuseln
Und die hellen Abendwolken ziehn
Und des Geisblatts Locken sich durchkräuseln
Und die bunten Flocken spielend fliehn,
Wenn ich dann in's Blüthenmeer mich tauche,
Wie mein Busen hoch und höher wallt!
Alles zieht zu deinem Flammenauge,
Schöner Jüngling, mich mit Allgewalt.

Zn der Mond-durchglänzten Rebenlaube 
Will ich ruhen von der süßen Qual; 
Weil ich liebend deine Liebe glaube,
Füllt die Seele sel'ger Hoffnung Strahl;
Und entschlummr' ich dort im weichen Hauche, 
Den ergießt der blühnde Mandelbaum, 
Schöner Jüngling mit dem Flammenange, 
Dann erscheint dein Bild wohl meinem Traum!

M. Kretschmar sets stanzas 2-?

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1 Kretschmar: "Wo Granaten" (incipit given in Hofmeister); further changes may exist not noted above.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Max Kretschmar , "Wo Granaten schwellend glühen", op. 20 (Vier Lieder aus dem Persischen von Daumer, Hafis und Stieglitz für 1 Singstimme mit Pianoforte) no. 4, published 1898, stanzas 2-? [voice and piano], Leipzig, Breitkopf & Härtel [
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    ]

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2011-08-31 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:04:32
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