by Rudolph von Beyer (1810 - 1850), as Rupertus
Der stille Zecher
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Language: German (Deutsch)
Zu Köln im goldnen Helme Saß einst ein kleiner Mann, Der immer fleißig zechte, So lang' ich denken kann. Er saß am kleines Tischlein In dunkler Erde dort, Und stürzte schweigend Becher Um Becher über Bord. Er hielt es nicht mit Schelten, That keinem Leides an; War immer still und freundlich, Der liebe, kleine Mann. Ich sah's, er träumte Bilder Aus früher Jugendzeit, Und weinte manche Zähre Der stillen Traurigkeit. Ich hört's, er seufzte bange -- Vielleicht ach! um sein Lieb' -- Wenn er mit seinem Schmerze Des Nachts alleine blieb. Da goß er Hump' auf Humpen, Auf banger Seufzer Fluth Bis seine Wangen brannten In trüber Freude Gluth. Dann lächelte er milde Der kleine, stille Mann, Und schaute selig trunken Den lieben Becher an. Einstmals nach solchem Strauße, Den wacker er bestand, Entsank der schwere Humpen Des stillen Zechers Hand. Er hob ihn nimmer wieder Der kleine -- todte Mann -- Doch lächelt er noch milde Den leeren Becher an.
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Confirmed with Der Wanderer, 32. Jahrgang, Wien: 1845. Issue no. 2, Donnerstag, 2 Januar 1845, page 5.
Text Authorship:
- by Rudolph von Beyer (1810 - 1850), as Rupertus, "Der stille Zecher", Wien, first published 1845 [author's text checked 1 time against a primary source]
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