by Johannes Alois Blumauer (1755 - 1798)
An die Langeweile
Language: German (Deutsch)
Unsterbliche, geliebte Schöne, Bei deren Lob ich itzt schon gähne, Dich preise heute mein Gesang: Was uns kein Aeskulap kann geben, Gibst du uns, denn du machst das Leben Uns bis zum Überdrusse lang. In deinem Arm allein verweilet Die Göttin, die so schnell sonst eilet, Die gold'ne, ach so flücht'ge Zeit; Und wenn du auch im Himmel wohnest, Und dort die Sterblichen belohnest, Wie freu'n wir uns der Ewigkeit! Du lehrst des Lebens uns geniessen, Zu deinen bleibeschwerten Füßen Gähnt seufzend eine halbe Welt: Die göttlichste aus allen Gaben, Die Ruhe, kann Gott selbst nicht haben, Wenn er sie nicht durch dich erhält. Du lehrst Sultane Bilder schnitzen, Die Damen ihre Zungen spitzen, Und auf des Nächsten Leumund schmäh'n. Ja, deine schönen Siegstrophäen Kann man in allen Assembleen An hundert off'nen Mäulern seh'n. Der Mönch auf seinem harten Brette, Der Abt auf seinem Pflaumenbette, Umarmen gleich inbrünstig dich, Und manche Prediger ereifern Auf unsern Kanzeln bis zum Geifern Allein für deine Ehre sich. Du thronst auf grossen Folianten: Ein ungeheures Heer Pedanten Steht immerdar in deinem Sold, Und ach, du lieber Gott! was täten Romanenschreiber und Poeten, Wärst du nicht auch den Schluckern hold? Du wohnst in prächtigen Palästen, Du präsidierst bei allen Festen, Die man an Fürstenhöfen hält; Und o! die Großen dieser Erde, Was hätten sie wohl für Beschwerde, Wärst du's nicht, was sie manchmal quält? Von dir begeistert, weist die Schöne Dem Stutzer ihre weißen Zähne, Und gähnet ihn ekstatisch an: Du hüllst dich in die reichsten Kleider, Und nur zu oft trifft man dich, leider! Auf schönen Mädchenlippen an. Um deine Freundin Zeit zu töten Erfand man zwar in grossen Städten Spektakel, Feuerwerk und Spiel; Allein man gähnet bei Raketen, Bei Trauerspielen, Operetten, So wie bei Lomber und Quadrill, Ja selbst in diesem Augenblicke Beweist zu meiner Leier Glücke Sich deine grosse Macht an mir: Denn dieses Loblied, das ich singe, Und das ich dir zum Opfer bringe, Sing' ich aus langer Weile dir.
Confirmed with Gedichte von Blumauer, 1. Theil, Wien, 1787.
Note for stanza 9, line 1, word 2: there is a typo in the Wölfl score ("deiner" instead of "deine".)
Text Authorship:
- by Johannes Alois Blumauer (1755 - 1798), "An die Langeweile" [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Joseph Johann Baptist Wölfl (1773 - 1812), "An die Langeweile" [sung text checked 1 time]
Researcher for this page: Johann Winkler
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