Das dunkle Herz, das in sich lauscht, erschaut den Frühling nicht nur am Hauch und Duft, der durch das Leuchten blüht; es fühlt ihn an dem dunklen Wurzelreich, das an die Toten rührt: Was wird, legt sich mit zarten Wurzeln an das Wartende im Dunkel, trinkt Kraft und Stille aus der Nacht, eh' sich's dem Tage senkt, eh' es als Liebeskelch zum Himmel duftet und eh' aus ihm zu ihm ein goldnes Flattern Leben trägt: Ich bin nicht mein. Die Quellen meiner Seele, sie sprudeln in die Wiesen dessen, der mich liebt, und machen seine Blumen blühen und sind sein. Du bist nicht dein. Die Flüße deiner Seele, du Mensch, von mir geliebt, sie strömen in das Meine, daß es nicht verdorre. Wir sind nicht unser, ich und du und Alle.
Drei Gesänge nach Hildegard Jone , opus 23
by Anton von Webern (1883 - 1945)
Score: IMSLP (external link)1. Das dunkle Herz
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Hildegard Jone (1891 - 1963), appears in Viae Inviae
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "The dark heart", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
2. Es stürzt aus Höhen Frische
Language: German (Deutsch)
Es stürzt aus Höhen Frische, die uns leben macht: das Herzblut ist die Feuchte uns geliehen, die Träne ist die Kühle uns gegeben: sie fließt zum Strom der Gnade wunderbar zurück. Ach, ich darf sein, wo auch die Sonne ist! Sie liebt mich ohne Grund, ich lieb sie ohne Ende. Wenn wir einander Abend, Abschied scheinen, den Himmel und die Seele überglüht noch lange Glut.
Text Authorship:
- by Hildegard Jone (1891 - 1963), appears in Viae Inviae
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "From the heights plunges freshness", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
3. Herr Jesus mein
Language: German (Deutsch)
Herr Jesus mein, Du trittst mit jedem morgen ins Haus, in dem die Herzen schlagen, und legst auf jedes Leid die Gnadenhand. Der Frühling saget mir mit allen Vögeln, wie viel's zum Freuen gibt. Es ist so vieles, es ist alles da, nur keine Wände zwischen uns und Gott. Er rührt uns an mit jedem Wind und Zweige und neigt sich sanft noch mit den Wiesenblumen um unsern Schritt das zwingt uns in die Knie. Und morgen, Atmende, ist wieder Sonne. Und, ewig Schlafende, auch euch erwartet Tag.
Text Authorship:
- by Hildegard Jone (1891 - 1963), appears in Viae Inviae
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