3 Gesänge von E. Geibel, für vierstimmigen Männerchor

by Heinrich Esser (1818 - 1872)

1. Der Frühling ist ein starker Held [sung text not yet checked]

Der Frühling ist ein starker Held,
Ein Ritter sondergleichen,
Die rote Ros' im grünen Feld,
Das ist sein Wappen und Zeichen.

Sein Schwert von Sonnenglanze schwang
Er kühn und unermüdet,
Bis hell der silberne Panzer sprang,
Den sich der Winter geschmiedet.

Und nun mit triumphierendem Schall
Durchzieht er Land und Wogen;
Als Herold kommt die Nachtigall
Vor ihm dahergeflogen.

Und rings erschallt an jedes Herz
Sein Aufruf allerorten,
Und hüllt' es sich in dreifach Erz,
Es muß ihm öffnen die Pforten;

Es muß ihm öffnen die Pforten dicht,
Und darf sich nimmer entschuld'gen,
Und muß der Königin, die er verficht,
Der Königin Minne huld'gen.

Authorship:

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Morgenwanderung [sung text not yet checked]

Wer recht [in]1 Freuden wandern will,
Der [geh']2 der Sonn' entgegen;
Da ist der Wald so kirchenstill,
Kein Lüftchen mag sich regen.
Noch sind nicht die Lerchen wach,
Nur im hohen Gras der Bach
Singt leise den Morgensegen.

Die ganze Welt ist wie ein Buch,
Darin uns aufgeschrieben
In bunten Zeilen manch' ein Spruch,
Wie Gott uns treu geblieben.
Wald und Blumen, nah' und fern,
Und der helle Morgenstern
Sind Zeugen von seinem Lieben.

Da zieht die Andacht wie ein Hauch
Durch alle Sinnen leise,
Da pocht an's Herz die Liebe auch
In ihrer stillen Weise.
Pocht und pocht, bis sich's erschließt,
Und die Lippe überfließt
Von lautem, jubelndem Preise.

Und plötzlich läßt die Nachtigall
Im Busch ihr Lied erklingen,
In Berg und Tal erwacht der Schall
Und will sich aufwärts schwingen,
Und der Morgenröte Schein
Stimmt in [lichter]3 Gluth mit ein:
[Laßt]4 uns dem Herrn lobsingen.

Authorship:

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Ramann: "mit"; further changes may exist not noted above.
2 Abt: "zieh' "
3 Abt: "voller"
4 Randhartinger: "O laßt"

Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Johann Winkler

3. Beim Feste [sung text not yet checked]

O füllt die Pokale mit zyprischen Wein!
Lasst blinken im Becher den purpurnen Schein!
Schlürft hastigen Zuges den raschen Genuss!
So kurz ist die Jugend, so flüchtig der Kuss.

Es flammen die Rosen in duftiger Glut,
Es spiegeln die Sterne sich tief in der Flut;
Doch mehr ist als Rosen und Sterne zumal
Die Blüt´ auf den Wangen, im Auge der Strahl.

Durch Blätter und Lauben bricht farbiger Glanz,
Da regt sich im Grünen melodisch der Tanz;
Heiß schlingt sich der Arm um die schöne Gestalt,
Die Blicke, die Herzen, sie finden sich bald.

So schwärmet, so küsset! Vom Himmelsgezelt
Wirft goldenen Schimmer der Mond in die Welt.
Genießt! Wenn die glänzende Scheibe verblich,
Wer weiß, ob die Liebe der Brust nicht entwich!

Ich hab´ einst geliebt und auf Treue gebaut,
Ich habe dem Lächeln des Frühlings vertraut.
Die Stürme des Herbstes, sie [brausten]1 daher,
Ich suchte die Blumen und fand sie nicht mehr.

Drum hastig die blinkenden Becher geleert!
Ergreift, was die rollende Stunde beschert!
Genießt die Minute, solange sie glüht!
Der Frühling verwelkt, und die Liebe verblüht.

Authorship:

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Lachner: "brausen"

Research team for this text: Malcolm Wren [Guest Editor] , Andrew Schneider [Guest Editor]
Total word count: 430