Aus grosser Zeit. Zwei Männerchöre

Song Cycle by Theodor Podbertsky (1846 - 1913)

Word count: 242

1. Die rote Rose (19. Aug. 1870) [sung text not yet checked]

Der König fuhr durch Gorce
Nach heißer Siegesschlacht,
Rings ward von seinem Heere
Ihm Huld'gung dargebracht. 

Da trat aus kleinem Hause
Hervor ein alter Mann
Und bot dem greisen Herrscher
Eine rothe Rose an. 

Er spricht:  "Hier liegt verwundet
Ein junger Offizier,
Der sendet diese Blume
Mit seinem Gruße Dir!" 

Der König nimmt sie dankend,
Es macht ihn reich beschenkt,
Daß selbst im Schmerz der Wunden
Die Liebe sein gedenkt.

Wohl ist sie roth die Rose:
Auch Heldenblut ist roth.
Schön ist ihr Duft: doch schöner
Ist Treue bis zum Tod.

Authorship

Confirmed with Die Lieder alle Völker und Zeiten, zweite Auflage, Hamburg: G. Kramer, 1882. Pages 111 - 112.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

2. Mutter und Kind (1871) [sung text not yet checked]

"Sprich, Mutter, wo ist doch der Vater mein?
Ich hab' ihn lang nicht gesehen!" 
"Der Erbfeind wollte erobern den Rhein,
Da mußt er zum Kampfe gehen." 

"Mein Vater gehört nicht zum Kriegerstand,
Was hat er im Felde zu schaffen?"
"Nicht Söldner kämpfen fürs Vaterland,
Es streitet ein Volk in Waffen!"

"Wann kehrt den der Vater zurück aus dem Krieg,
Daß Kränze zum Willkomm ich mache?" 
"Dein Vater bezahlte mit Blut den Sieg;
Er starb der heilige Sache!" 

"Mein Vater gefallen?  --  O Jammer und Noth!
Und du kannst so ruhig erscheinen?" 
"Ihm wurde als Held der herrlichste Tod,
Und Gott wird uns wieder vereinen." 

"So komm, laß uns schmücken den Leichenstein
Mit frischen Blumengewinden!" 
"Sie scharrten mit seinen Genossen ihn ein,
Die Stelle ist nicht mehr zu finden!" 

"Kein Grab in geweihtem Boden er fand?"
"Und doch ist er selig gestorben:
Denn wer gefallen fürs Vaterland,
Der hat sich den Himmel erworben!"

Authorship

Confirmed with Blätter für literarische Unterhaltung, Jahrgang 1872, erster Band nrs 1 - 26, Leipzig: F. A. Brockhaus, 1872. Issue no. 23, 6 Juni 1872, page 360.


Researcher for this text: Melanie Trumbull