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1Als ich die Langersehnte fand,
2Mein Herz sich an das ihre band,
3Und, durch geheimen Zauberzug,
4Ihr Busen mir entgegenschlug:
5
6Da war ich froh in meinem Sinn!
7Da tanzte Tag auf Tag mir hin,
8Wie Bächlein hell im Sonnenschein,
9So lauter und so silberrein!
10
11Da lachte Freud und süße Ruh
12Mir stets ihr blaues Auge zu,
13Die ganze Welt vor mir vergieng,
14Wenn mich ihr Schwanenarm umfieng!
15
16Da war mir jede Stunde süß,
17Mein Lebenspfad ein Paradies:
18Denn alle Erdenseligkeit
19Lag, sonder Maas, drauf ausgestreut.
20
21Wenn ich an ihrem Busen lag,
22Wiegt' ihres Herzens leiser Schlag
23Mich sanft zu Himmelsträumen ein;
24Und mir schlug dieses Herz allein!
25
26Wenn uns im Laubdach, kühl und grün,
27Der liebe, volle Mond beschien,
28Sang Hain und Flur mir Sphärensang
29Und jede Seelensait' erklang.
30
31Bald wallten wir durch Blumenaun,
32Des Frühlings Zauberpracht zu schaun:
33Doch blikt' ich ihr ins Angesicht,
34Sah ich die Lenzgefilde nicht!
35
36Bald ruhten wir auf Quellenmoos,
37Wenn sanft der Abend niederfloß,
38Da drükte heiß sich Mund an Mund,
39Zu festen unsren Liebesbund!
40
41Wie Maienregen niederfleußt,
42Auf Blütenbäume sich ergeußt:
43Floß jeder Flammenkuß von ihr
44Erlabend in die Seele mir.
45
46Wir lebten Himmelswohnern gleich,
47Wie sie an tausend Freuden reich,
48Es wogt' und rauscht' ein Wonnemeer,
49Nicht abzusehn, rings um uns her!
50
51Genug der Freuden, o mein Lied,
52Die einst mir Glüklichem geblüht!
53Hinab! Hinab! zum Trauerton,
54Die Freuden alle sind entflohn!
55
56Sie gab, in leichtem Flattersinn,
57Ihr Herz an einen andern hin!
58Zerriß das goldne Himmelsband,
59Das Lieb' um unsre Seelen wand!
60
61Das troknete, mit rascher Wuth,
62Wie wilde Hundstagssonnenglut,
63Die Quelle meiner Freuden leer,
64Von Stund' an floß kein Tröpfchen mehr!
65
661Die Sonne steigt, die Sonne sinkt,Die Sonne steigt, die Sonne sinkt,
672Des Mondes Wechselscheibe blinkt,Des Mondes Wechselscheibe blinkt,
683Des Himmels Blau durchwebt mit GlanzDes Aethers Blau durchwebt mit Glanz
694Der Sterne goldner Reihentanz;Der Sterne goldner Reihentanz:
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716Doch es durchströmt der Sonne LichtDoch es durchströmt der Sonne Licht,
727Des Mondes lächelndes Gesicht,Des Mondes lächelndes Gesicht,
738Der Sterne Reigen, still und hehr,Der Sterne Reigen, still und hehr,
749Mit Hochgefühl dies Herz nicht mehr!Mit Hochgefühl dies Herz nicht mehr!
7510
7611Die Wiese blüht, der Büsche Grün,Die Wiese blüht, der Büsche Grün
7712Ertönt von Frühlingsmelodien,Ertönt von Frühlingsmelodien,
7813Es wallt der Bach im AbendstralEs wallt der Bach im Abendstral
7914Hinab ins Hainumkränzte Thal;Hinab ins hainumkränzte Thal:
8015
8116Doch es erhebt der Haine Lied,Doch es erhebt der Haine Lied,
8217Die Au, die tausendfarbig blüht,Die Au, die tausendfarbig blüht,
8318Der Erlenbach im AbendlichtDer Erlenbach im Abendlicht
8419Wie vormals meine Seele nicht!Wie vormals meine Seele nicht!
8520
8621Es schleicht, bei wintertrübem Sinn,O Schmerz! wenn unsrer Jugend Freund
8722Mein Leben langsamtraurig hin,Des Abschieds bittre hre weint!
8823Ich irr' in düstrer Mitternacht,So trifft beim frohen Erntemahl
8924Von keinem Sternlein angelacht.Des Landmanns Dach ein Wetterstral!
90
91Mein armes, tiefgequältes Herz
92Durchwütet Angst, durchwütet Schmerz;
93Verhaßter Sorgen Natternbrut
94Nährt grausam sich von meinem Blut!
95
96Die Pein, die meinen Busen engt,
97Mich wild bald hie bald dorthin drängt,
98Mir rastlos in die Seele stürmt,
99Mit Wolken stets mein Haupt umthürmt:
100
101Hat meine Wangen abgebleicht,
102Hinweg die innre Ruh gescheucht,
103Zernagt mich, wie der Morgen graut,
104Bis wenn der kühle Abend thaut!
105
106Ha! wenn mich jezt die Falsche säh',
107In all dem Ach! in all dem Weh!
108Von Höllenleiden, sonder Zahl,
109Umstrikt zu Folterpein und Quaal:
110
111Vielleicht daß ihr ein Thränlein denn
112Vom blauen Auge niederrän',
113Ihr Herz, von Reu und Buße schwer,
114Nun wieder ganz das meine wär'!

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