by Ernst Rudolf Neubauer (1822 - 1890)
Wie soll eine ehrbar Jungfrau beschaffen sein?
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Language: German (Deutsch)
Im Jahr, da man schrieb zwölfhundertundzehn, sah man viel' Mägdlein ins Kloster geh'n. D'rum hat Hubertus ein' Regul gestellt zu Nutz und Frommen der Jungfrau'nwelt. Zum Ersten soll eine Jungfrau fein wie die Glocken am Karfreitag sein; die schlägt man im Jahr nur einmal an: Soll ein Mädchen nit viel sich hören lahn. Zum Andern soll eine Jungfrau fein wie eine Orgel in der Kirchen sein, die, wenn man sie nur leise berührt, alsbald ein mächtig Geschrei vollführt. Zum Dritten soll eine Jungfrau fein auch ferner wie eine Spitalsuppe sein; die reizet nit zum sündigen Spiel und hat darneben der Augen nit viel. Herr Hubertus hat's nit übel bestellt, wenn er Frau'n den Karfreitagsratschen gesellt; wasmaßen die Ratsche nur einmal gedreht, das ganze Jahr aus dem Ohr nit geht. Herr Hubertus nahm es gar zu leicht, wenn er die Jungfern den Orgeln vergleicht; wasmaßen ein' Orgel, ob laut, ob still, für jeden ist, der auf ihr spielen will. Herr Hubertus sorgte still für sich, wenn er Jungfrau'n den Spitalsuppen verglich; wasmaßen die Suppen derb und blind nur für die fastenden Fratres sind.
H. Proch sets stanzas 1-4, 6-7
Confirmed with Lieder aus der Bukowina von Ernst Rudolf Neubauer, Wien, 1855.
Text Authorship:
- by Ernst Rudolf Neubauer (1822 - 1890), "Wie soll eine ehrbar Jungfrau beschaffen sein?", appears in Lieder aus der Bukowina, first published 1855 [author's text checked 1 time against a primary source]
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Researcher for this page: Johann Winkler
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