by Richard, Freiherr von Redern (flourished c1847)
Des Totengräbers Braut
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Language: German (Deutsch)
Die Stürme stöhnen, es braust der Wald, der Wetterhahn wimmert, der Mond scheint kalt; er blicket kalt auf die Erde herab, er blicket kalt in ein offenes Grab. Und an des Grabes beschneitem Rand, da sitzt ein Weib im weißen Gewand. Sie sitzt gebückt auf der Totenbahr', die Winde wehen im wallenden Haar. Sie blickt still lächelnd in ihren Schoß, da liegt ein Kindlein nackt und bloß. Die zarten Glieder sind starr und kalt, die kleinen Händchen sind fest geballt. Sie wickelt es dicht in ihr Busentuch ein und legt sich lächelnd ins Grab hinein und flüstert leise: Nun gute Nacht, du Guter hast mir mein Bett gemacht. Sie war einst des Totengräbers Braut, jetzt ist einer Reicher'n er angetraut. Da zog sie still in die Welt hinaus und kehrte in heiter'm Wahnsinn nach Haus'. Es trieb sie dort, auf den Kirchhof zu geh'n, wo sie den Liebsten so oft geseh'n; sie legte sich mit dem Kinde zur Ruh', und weiche Flocken deckten sie zu. Und als er des Morgens zur Arbeit kam und fröhlich singend die Schaufel nahm, und als er singend den Schnee wegscharrt', da fand er Mutter und Kind erstarrt.
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Researcher for this page: Johann Winkler
Confirmed wtih Potpourri von Richard Freiherrn von Redern, Ofen, 1847.
Text Authorship:
- by Richard, Freiherr von Redern (flourished c1847), "Des Totengräbers Braut" [author's text checked 1 time against a primary source]
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