by Otto Friedrich Gruppe (1804 - 1876)
Die goldene Schnur
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Language: German (Deutsch)
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Als Waise kamst du in unser Haus, Als Waise sollst du nicht ziehn hinaus, Nicht ohne Gabe von hinnen gehn, Daß Fraun dich kennen, das soll man sehn. Nimm drum die Kraus' und die goldene Schnur, Und nimm es an für den Willen nur: Sehn's ferne die Mädchen, wol nennen sie's fein, Und denken, das mag von der Schwester sein. So schied der Bursch mit Lieb' aus dem Haus, Und wanderte nun in die Fremd' hinaus. Der Alte bracht' ihn bis an das Thor, Sie sah ihm nach, bis sie ihn verlor. Drei Bursche gingen vorbei danach, Zu den Wandrern so das Mädchen sprach: Geht schnell, so holt ihr noch einen ein, Der wird ein lieber Genoß euch sein. Eine Goldschnur trägt er auf seiner Brust, Und in feiner Krause das Haupt mit Lust, Und trefft ihr ihn, grüßet ihn noch von mir. Die drei Bursche die versprachen es ihr. Und wieder kamen nach einem Jahr Die drei Bursche, da es Abend war, Da stand das Mädchen vor ihrer Thür, Sie fragte: Grüßtet ihr ihn von mir? Und trägt er noch die goldene Schnur, Und sagt mir, ob er viel Gutes erfuhr. Da sagten sie: Räuber ergriffen ihn, Weil er von uns allen der feinste schien. Und alles gern er den Räubern bot, Nur eins nicht, und ging drum in den Tod: Das war ein fein goldenes Schnürelein, Das mochte von seiner Liebsten sein. Da weinte das Mädchen ach viele Jahr: O warum schnitt ich nicht ab mein Haar Und flocht aus dem Haar nicht die Schnur für ihn, So hätten die Mörder ihn lassen ziehn. Doch hätt es verrathen mein Herz zu laut, Ach, schmücken durft' ich ja nur mein Traut, Und der schönste Schmuck den ich ihm bot, Der brachte dem Liebsten so den Tod.
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Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
Confirmed with Gedichte von O.F. Gruppe, Berlin: Gedruckt und verlegt bei G. Reimer, 1835, pages 89-91.
Text Authorship:
- by Otto Friedrich Gruppe (1804 - 1876), "Die goldene Schnur", appears in Gedichte, in 2. Zweites Buch, no. 1 [author's text checked 1 time against a primary source]
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