by Karl Klotz
Lenz
Language: German (Deutsch)
Horch, hörest du nicht, wie der Märzwind hinbraust, Vom Berge das Wasser des Gießbaches saust? Die Sonne des Frühlings ist wieder erwacht, Der Lenz stürmt herein mit jungfrischer Macht Und jaget hinaus den frostigen Feind: "Mein Herz, thu' dich auf, daß die Sonne drein scheint!" Nun lasse den Gram und die Sorgen entflieh'n, Wenn kosende Lüfte des Frühlings einzieh'n! Wie schmilzt vor dem sonnigen Hauche der Schnee, So wehen sie weg all' dein Sehnen und Weh' Und bringen den Frieden, mit Lust froh vereint: "Du hast ja genug jetzt geklagt und geweint!” Besieget der Frühling den Winter denn nicht, Mit rosigem Scheine, mit strahlendem Licht? -- Und wie er ein wonniges Leben entfacht -- So schau' doch der Fluren bezaubernde Pracht, Und immer erweckt er, und nimmer er ruht: "Faß wiederum Mut o du jungfrisches Blut!" O lausche dem Vogelsang hoch in der Luft, O atme der Blüten berauschenden Duft; Der Lenzschein hat wieder die Erde verjüngt, Ohn' Ende es jubelt und schwirret und singt Und öffnet sich jauchzend der wärmenden Glut: "Mein Herz, thu' dich auf, denn die Sonne meint's gut."
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Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
Confirmed with Die Sängerhalle. Allgemeine Deutsche Gesangvereinszeitung für das In- und Ausland, 31. Jahrgang (Leipzig, den 4. Juni 1891), No. 23, pages 274-275.
Text Authorship:
- by Karl Klotz , "Lenz" [author's text checked 1 time against a primary source]
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