by Georg Anton Lorenz Diefenbach (1806 - 1883)
Blume und Welle
Language: German (Deutsch)
Die Blume steht seufzend am Bach und blickt der Welle voll Sehnsucht nach, die flüchtig die ewig Gefesselte küsste. Sie klagt: „Wenn die fliehende Welle doch wüsste, wie ich mit all meinen Farben und Düften ihre reine, durchleuchtige Schönheit liebe, gewiss, sie bliebe!“ Die Welle sendet zurück mit den Lüften der Blume ihr sehnend, erinn'rungsvoll Grüßen: „Ach, dass ich dich habe verlassen müssen! Ach, hättest du doch meine Sehnsucht empfunden, als uns eines Augenblicks Wonne verbunden, du wärest gewiss mit der Liebenden gerne geflohen zur Ferne!“ Und die Lüfte künden den liebenden Sinn der Sehnenden, Einsamen her und hin. Doch die Blume muss bleiben, die Welle entweichen, und sie können sich nimmer auf Erden erreichen. Da löst sich das Wesen der Blume in Duft, und die Welle hebt am Abend sich als Wölkchen in Luft. Als vor Liebe und Leid sie zu sterben gemeint, hatte ewige Liebe sie droben vereint!
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Researcher for this page: Johann Winkler
Confirmed with Gedichte von Lor. Diefenbach, Gießen, 1840.
Text Authorship:
- by Georg Anton Lorenz Diefenbach (1806 - 1883), "Blume und Welle" [author's text checked 1 time against a primary source]
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