by Nikolaus Lenau (1802 - 1850)
Reiterlied See original
Language: German (Deutsch)
Wir streifen durchs Leben in schnellem Zug ohne Rast wie die stürmische Welle; wir haschen die Frucht im Vorüberflug und schlummern nicht ein an der Quelle; wir pflücken die Rose, wir saugen den Duft und streuen sie dann in die flatternde Luft. Der Friedliche sitzet und lau'ret bang, bis das Glück ihm poch' an der Türe, noch späht er beim Sterbeglöckleinklang, ob das Glück an der Klinke nicht rühre. Wohl rührt' sich die Klink', und es tritt herein - erschrick nicht, du Armer - es ist Freund Hein! Der Reiter verfolgt das entlaufene Glück, er fasst's an den fliegenden Locken und zwingt es zu sich auf den Sattel zurück und umschlingt es mit wildem Frohlocken: „Muss reiten mit mir durch Nacht und Graus, durch Strom und Geklüft zum blutigen Strauß!“ Wir springen hinein in die laute Schlacht, es tanzen die wiehernden Rosse dahin, wo der Donner am stärksten kracht, weit voran dem trippelnden Trosse. Dem Reiter kredenzt auf sein stürmisch Gebot den ersten, den feurigsten Trunk der Tod!
Composition:
- Set to music by Johann Christian Wilhelm Hahn (1804 - 1882), "Reiterlied", op. 11 no. 3
Text Authorship:
- by Nikolaus Lenau (1802 - 1850), "Reiterlied"
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