by Anonymous / Unidentified Author

Der blinde Harfenspieler
Language: German (Deutsch) 
Ich spielt' als Knabe unbefangen 
im Schoß der Unschuld und Natur,
sah Gottes schöne Schöpfung 
prangen am Sternenzelt, auf Wald und Flur. 

Sanft floßen meiner Kindheit Tage,
nicht rauh schien mir des Lebens Bahn.
Da wehte mich der Menschheit Plage,
das böse Gift der Blattern an.

Sein Hauch verlöschte meinen Blicken 
der Sonn' und Sterne freundlich Licht.
Nun konnt' ich keine Blumen pflücken,
nun sah ich Erd' und Himmel nicht.

Doch eine Fürstin, mild und bieder,
erbarmte meiner Klagen sich;
durch ihre Güte lernt' ich Lieder,
und Jammer und Verzweiflung wich.

Dank dir, oh Harmonie der Saiten;
du linderst gütig manche Noth,
du hilfst mich durch das Leben leiten,
durch dich kann ich mein magres Brodt 
mit meinen grauen Elterntheilen.

Doch ach! Gesang und Harfenspiel 
kann nicht all meine Leiden heilen!
Oh Menschen, ich entbehre viel
Vergebens schmückt für mich im Maien, 
sich die Natur mit bunter Pracht,
Ich kann mich keines Morgens freuen,
mir ist das Leben ew'ge Nacht.

Ich seh' nicht Gottes Dank Altäre,
seh' keinen gütevollen Freund,
seh' nicht des Mitleids schöne Zähre,
die mir ein fühlend Mädchen weint.

Gott wird sein Licht mir wieder schenken
getrost mein Geist, verzage nicht,
laß andre Tod und Nacht sich denken,
dein Glaube hoffet Tod und Licht.

Ja diese Finsterniß wird schwinden,
bald bricht ein ew'ger Morgen an.
Dann werd' ich Alle sehn und finden,
die hier dem Blinden wohlgethan.

The text can be found in Notenbuch v. Fr. Ludw. Schröder eigene Schrift und Composition, c1800, preserved at Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Musikabteilung, Hamburg, (RISM, ID 451500722). It can also be found in Mustersammlung aus deutschen Klassikern, prepared by teachers at the Leipzig municipal school, Leipzig 1825.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2014-04-20
Line count: 40
Word count: 230