possibly by Michael Albert (1836 - 1893)

Die Ständchen
Language: German (Deutsch) 
Tenor:
„Stille Nacht wirft ihren Schleier
um Palast und Hüttendach,
und es wird der Busen freier
und Gesang und Liebe wach.
Mögen Töne dieser Saiten
Ahndung weckend zu dir gleiten,
heißer Sehnsucht süße Schmerzen
nahe legen deinem Herzen.“

Musikanten:
„Der Tag bricht bald heran, 
der dir den Namen gab;
die junge Sonne hört 
dich ihre Schwester nennen.
Mit dir sich messend, blickt 
sie stolz auf dich herab,
und steht errötend da, 
und ihre Wangen brennen.“

Tenor:
Was soll das Lärmen? Fort, fort, fort!
Ihr seid mir hier verhasst, fort, fort, fort!
Bombast, Bombast! Geht, geht, geht!
Dudelt an jener Ecke dort, dort, dort!

2. Musikant:
Sing' du nur fort, ich will ihn schon bedeuten.
Mein Herr, mein Herr, was soll das Streiten?
Hier ist für uns der Ort, von hier uns weg zu bringen
wird Ihnen nicht gelingen!
Wir sind bezahlt, wir müssen singen!

1. Musikant:
„O winkte mir noch heut' dein strahlend Augenpaar,
und horchtest du dem Wort, das dir dein Treuer flüstert,
nicht leere Form nur ist der Wünsche reiche Schar,
denn Lieb' und Freundschaft sind in ihm getreu verschwistert.“

Tenor:
Wollt ihr wohl schweigen?
Ich will's euch zeigen!
Ich weich' euch nicht! Ihr dient um Gold,
doch Amor bietet schöner'n Sold.
Will er mir wohl, ist sie mir gut,
verlach' ich euch mit keckem Mut!
„Hält dich wohl in sanften Banden
schon des Schlummers leiser Arm,
und des Tages Bilder schwanden,
dich umtanzt der Liebe Schwarm.
Mögen Töne dieser Saiten
Ahndung weckend zu dir gleiten,
und mein Bild und meine Schmerzen
nahe legen deinem Herzen.“

1. Musikant:
Da haben wir's, er will nicht ruh'n;
wie treiben wir ihn nur von hinnen?

2. Musikant:
Vielleicht, wenn wir von vorn beginnen,
wird's seinen Ohren wehe tu'n!

Musikanten:
„Der Tag bricht bald heran,“
(1. Musikant:) und wird uns nicht vereinen,
„der dir den Namen gab;
die junge Sonne hört“
(1. Musikant:) das Concertant zum Weinen
„dich ihre Schwester nennen.
Mit dir sich messend blickt
sie stolz auf dich herab (1. Musikant: sie auch auf unsereinen)
und steht errötend da
(1. Musikant: solche Toren zu bescheinen)
und ihre Wangen brennen.“

Bräutigam:
Was gibt es da? Will keiner weichen noch wanken?
Bravissimo werden's die Nachbarn euch danken!
Hahahaha! Ein Kätzchen noch fehlt auf dem Dach!
So wird in der Straße doch jedermann wach.
Possierlich, doch horch! Ei, das sind ja die Sänger,
die ich mir bestellt und bezahlt für die Braut!
Der and're muss fort, ich duld' ihn nicht länger!
Ei seht doch, der Wicht tat so ziemlich vertraut!
Ihr Leute, schweigt und hört mich an!

Musikanten:
Wir sind bereit, gebieten sie nur,
wir sind von dienstbarer Natur.

Bräutigam:
Bedeutet jenem Herrn, zu gehen,
auf welche Art es immer sei.
Macht mir die Straße frei!

Musikanten:
Wie Sie befehlen, soll geschehen.

Bräutigam & Musikanten:
Der junge Herr (Musikanten: He, junger Herr) mit der Gitarre,
empfehl' Er sich, Er ist ein Narre;
die Straß' ist kurz und Er ist lang,
befrei' Er uns schnell von seinem Sang!
Schnell fügt er sich;
auf Nimmerwiederseh'n, empfehle mich!

Tenor:
Wenn ich noch länger hier verharre,
gibt's Schläge noch; ich bin kein Narre;
ich finde wohl, mir ist nicht bang,
der Mädchen mehr für meinen Sang.
Auf Nimmerwiederseh'n, empfehle mich!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-10-01
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