Todesmut
Language: German (Deutsch) 
Wenn ich im Kreis der Freunde säß',
beim frohen Becherklang,
und käm' der blasse Tod zu mir,
dann würd' mir gar nicht bang'.

Das Glas höb' ich zum letzten Mal
voll Frohsinn's in die Höh'
und rief': Ihr Brüder, trinkt mit mir
noch einmal, eh' ich geh'!

Wohl ist's gar schön auf dieser Welt,
doch wirr und bunt geht's zu;
dort unten in dem Grabe wohnt
der Frieden und die Ruh'.

Und säß' ich bei dem Liebchen fein
und herzte es nach Lust,
und käm' der blasse Tod herein,
füllt' Angst mir nicht die Brust.

Ich küsste sie zum letzten Mal
so innig recht und warm:
Leb' wohl, es muss geschieden sein,
im Grab gibt's keinen Harm!

Und träf' mich gar im Schlachtenfeld
die Kugel in die Brust:
'nen schöner'n Tod ja gibt es nicht,
hei, welche Todeslust!

Wenn schmetternd die Dromete tönt
und die Kanone kracht,
lebt wohl, ihr Brüder, halt't euch gut,
seid tapfer! Gute Nacht!

Und plaget ein unnennbar Weh'
mein Herz bei Tag und Nacht,
dann sag' ich wohl: Komm, lieber Tod,
komm schnell, so ist's vollbracht.

Und käme dann der blasse Tod
und spräch': Komm, folge mir!
Wie freudig gäb' ich ihm die Hand:
Willkomm! Ich geh' mit dir.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-11-15
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Word count: 204